Da schreibt eine so erfahrene Autorin wie Lena Gorelik einen Roman ausgerechnet über Mütter, schreibt dieses Buch in einer so umsichtigen Sprache und mit einem so hohen Anspruch, allen gerecht zu werden, schreibt es mit einem kleingeschriebenen „i“ im Ich, schreibt es also so sehr als gute Tochter, dass man denkt: Was zur Hölle macht sie da? Die Antwort nach dem ersten Schock: etwas außerordentlich Entschiedenes. Etwas so Kluges und Überlegtes und Souveränes, dass man mit den beiden Söhnen, die am Schluss des Romans „jumping ovations“ fordern, fröhlich Sofas demolieren möchte.
LiteraturEigener Mensch mit eigenen Schmerzen
Lesezeit: 4 Min.

In einer Zeit der kühlen Hypervereinzelung hat Lena Gorelik einen Roman über Töchter, Mütter und deren Mütter geschrieben. Aus dem Elend der Wirklichkeit hebt sie bedachtsam eine Poetik der Zuwendung.
Von Insa Wilke
