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Kabarettist Peter Ensikat ist tot:"Klug, intelligent und literarisch"

Kabarettist Peter Ensikat gestorben

Kabarettist Peter Ensikat gestorben.

(Foto: dpa)

Er gehörte zu den meistgespielten Kabarettautoren der DDR und prägte unter anderem das Berliner Kabarett Distel, dessen Leitung er lange innehatte. Nun ist der Satiriker Peter Ensikat im Alter von 71 Jahren gestorben.

Mit seinen Stücken hat er ostdeutsche Kabarettgeschichte geschrieben, nun ist Peter Ensikat verstorben. Das teilte sein langjähriger Bühnen-Weggefährte Wolfgang Schaller mit und bestätigte damit einen Bericht des MDR. Schaller würdigte Ensikat als "klug, intelligent und literarisch".

1941 wurde Peter Ensikat im brandenburgischen Finsterwalde geboren. Er studierte Schauspiel und schuf zunächst vor allem Kinderstücke. Die Kabarettbühne Herkuleskeule war dann eine von Ensikats ersten großen Stationen als Autor. Dort lernte er in den sechziger Jahren auch seinen künftigen Weggefährten Schaller kennen. Hinzu kamen Engagements an der Kabarettbühne Distel in Berlin, die ihn deutschlandweit bekannt machten.

""Wir waren nicht nur die unterdrückten, notleidenden Opfer"

In den achtziger Jahren gehörte Ensikat zu den meistgespielten Theater- und Kabarettautoren der DDR. Selbstkritik scheute er jedoch nicht. Im Herbst 1989 gehörte Ensikat zu den Organisatoren der Demonstration am 4. November auf dem Berliner Alexanderplatz, an der Hunderttausende Menschen teilnahmen.

"Die DDR war überhaupt nicht lustig, aber sie war komisch", spottete der schlagfertige Kabarettist einmal. Vor allem forderte er einen selbstbewussten und reflektierten Umgang der Ostdeutschen mit ihrer Vergangenheit. "Wir waren nicht nur die unterdrückten, notleidenden Opfer, die in Geiselhaft gehalten wurden", schrieb er in "Das Schönste am Gedächtnis sind die Lücken", einem seiner vielen Bücher.

Sich selbst schloss er aus dem Prozess der, wie er es ausdrückte, schleichenden Entmündigung nicht aus. Er und andere Kollegen hätten in einer "Sklavensprache geschrieben, unsere windelweichen Halbwahrheiten durch die Blume der Zensur geflüstert".

Selbstkritisch und wortgewandt, so war Ensikat bekannt. "Ich verliere nicht nur meinen engsten Freund, der 35 Jahre lang mein Schreibpartner war und ohne den in all den Jahrzehnten all jene Programme, die ein Stück Kabarettgeschichte geschrieben haben, nicht entstanden wären", erklärte sein Freund Schaller der Nachrichtenagentur dpa. "Mit seinem Namen ist ein langes Stück Lebenslauf der Herkuleskeule verbunden. Ich verdanke ihm viel und weiß um den Verlust."