Verfemte DDR-Autoren Die Unerhörten

Viele Autorinnen und Autoren aus der DDR wurden zensiert und hätten ihre Texte nie auf der Leipziger Buchmesse vorstellen können. Die SZ erinnert an acht von ihnen.

Vor 30 Jahren, im März 1989, fand die letzte Leipziger Buchmesse unter Aufsicht der DDR-Behörden statt. Heute strömt das Publikum nach Leipzig, früher war die Messe eine politische Veranstaltung, längst nicht alle Autoren durften dort auftreten, erst recht nicht, wenn sie überwacht und verfolgt wurden. Zum Auftakt der diesjährigen Messe erinnern wir an acht ostdeutsche Autorinnen und Autoren, die ihre Texte zu DDR-Zeiten nie in Leipzig hätten vorstellen können.

Die Texte stammen aus den Publikationen des "Archiv unterdrückter Literatur in der DDR", das die Schriftstellerin Ines Geipel und der Schriftsteller Joachim Walthervor 16 Jahren das initiiert haben, um die Werke ehemals verbotener Autorinnen und Autoren zu retten und verfügbar zu machen. Mittlerweile umfasst dieses Berliner Archiv 70 000 originale Manuskriptseiten von mehr als 100 Autorinnen und Autoren. Aus diesen Beständen geben Geipel und Walther seit neun Jahren die "Verschwiegene Bibliothek" heraus.

Edeltraud Eckert

Edeltraud Eckert

(Foto: )

1930 in Hindenburg/Oberschlesien geboren. 1949 Beginn des Studiums an der Pädagogischen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität. 1950 Verhaftung wegen des Besitzes von kritischen Flugblättern. Verurteilung zu 25 Jahren Haft und Arbeitslager. Wegen guter Arbeitsergebnisse die einmalige Erlaubnis, ihre Gedichte und Vertonungen in einem Schreibheft festzuhalten. Es entstand ein Zyklus von 101 Gedichten. Anfang 1955 schwerer Arbeitsunfall im Frauen-Zuchthaus Hoheneck. Im April 1955 Tod durch Wundstarrkrampf im Haftkrankenhaus Leipzig/Meusdorf.

Ein Brief

Ich weiß nicht viel von mir zu sagen,

Nur dass ich lebe, dass ich bin,

Und alle Wünsche, die mich tragen,

Sind im Verzicht ein Neubeginn.

Als ich euch damals lassen musste,

War ich beinahe noch ein Kind,

Das nichts von all den Tiefen wusste,

Die oft ein buntes Trugbild sind.

Die Menschen, die mich hier umgeben,

Stehn grell geschminkt im kalten Licht,

Das man das Schicksal nennt. Sie leben,

Zumeist mit Masken vorm Gesicht.

So steh ich wartend unter vielen.

Ich lache mit und bin nicht froh.

Ich hör und seh mich selber spielen.

Mein Herz ist weit, ist anderswo.

Aus "Jahr ohne Frühling"