Léa Seydoux als Bond-Girl:Everybody's Darling

Sie wurde von der Indie-Schönheit zur Französin vom Dienst in Hollywood. Ihren größten Erfolg feierte Léa Seydoux aber als Lesbe mit blauen Haaren. Jetzt ist sie das neue Bond-Girl.

Von Kathleen Hildebrand

James Bond: Spectre

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(Foto: picture alliance / dpa)

Madeleine Swann. Was für ein Name für ein Bond-Girl. Und Léa Seydoux. Was für eine perfekte Besetzung für diesen Namen. In Marcel Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" heißt einer der Helden Swann. Und der Erzähler erinnert sich beim Eintunken eines Gebäckteilchens namens Madeleine an seine Kindheit. "Ja", sagt Seydoux im Interview mit dem Guardian, "es geht in Spectre um Erinnerung. Bonds Vergangenheit kommt ans Licht. Sie ist die Madeleine, die die Erinnerung zurückholt." Klar, dass diese Rolle eine so archetypische Französin spielen muss wie Léa Hélène Seydoux-Fornier de Clausonne, geboren 1985 in Paris, Enkelin und Großnichte zweier Kino-Magnaten (die stets beteuert, keine Art von familiärer Hilfe bei ihrer Schauspielkarriere bekommen zu haben) und Liebling des französischen wie mittlerweile auch des internationalen Kinos.

Das schöne Mädchen

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(Foto: Scarlett Production/arte France)

Ihren Durchbruch hatte sie 2008 in Christophe Honorés "Das schöne Mädchen" (La Belle Personne). In der modernen Neuinterpretation des französischen Romanklassikers "La Princess de Clêves" spielt Seydoux die neue Schülerin in einem Pariser Gymnasium, in die sich natürlich alle sofort verlieben - auch der junge Italienischlehrer (Louis Garrel). Als leicht verquollenes, melancholisches Schulmädchen nahm sie auch die französische Filmwelt für sich ein: Für die Rolle wurde sie für den Filmpreis César nominiert, gewann einen Nachwuchspreis auf dem Filmfestival in Cannes ...

Inglourious Basterds

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(Foto: Universal)

... und wurde von Hollywood entdeckt. Erst einmal für kleine Rollen in großen Filmen wie Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Den aktuellen Bond-Bösewicht Christoph Waltz kennt sie also schon.

Petit Tailleur

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(Foto: MK2 Diffusions)

Danach war sie erst einmal wieder der Star des französischen Indie-Kinos. Ihr Co-Star aus "Das schöne Mädchen", Louis Garrel, besetzte sie in seinem Schwarzweiß-Kurzfilm "Petit Tailleur", in dem sie als junge Theaterschauspielerin einem armen Schneiderlehrling auf dramatische Weise den Kopf verdreht.

Robin Hood

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(Foto: Universal)

Und dann kam wieder Hollywood: Für europäische Schauspieler ist es nicht ungewöhnlich, dort erst einmal den Deutschen, die Italienerin oder die Französin zu spielen - und in Historienfilme passt Léa Seydoux sowieso großartig mit ihrer Blässe und den etwas altmodischen Zügen. Also spielte sie 2010 in Ridley Scotts "Robin Hood" Isabella d'Angoulême, die junge Französin auf dem englischen Königsthron - an der Seite von Russell Crowe und Cate Blanchett.

Mission Impossible 4: Phantom Protokoll

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(Foto: David James)

Und im vierten Teil von "Mission Impossible" die französische Auftragskillerin Sabine Moreau (hier rechts in einer Szene mit US-Schauspielerin Paula Patton). So eisig, gefährlich und tief dekolletiert wie sie sich da prügelte und schließlich aus dem Fenster des Burj Khalifa in Dubai flog, empfahl sie sich durchaus schon damals als Bond-Girl. Erst einmal überraschte sie aber mit ihrer Respektsbekundung vor den schauspielerischen Fähigkeiten von Tom Cruise: "Er ist so ernsthaft, es ist faszinierend."

Midnight in Paris

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(Foto: Concorde)

Neben vielen Kurzfilmen und einigen Arthouse-Produktionen in Frankreich spielte sie 2011 - noch einmal - die Französin. In Woody Allens Zeitreisentourismus-Komödie "Midnight in Paris" war sie die nostalgische Antiquitätenhändlerin und Schallplattenfreundin, die am Ende mit Owen Wilson in die Pariser Nacht verschwindet.

Winterdieb

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(Foto: Arsenal Filmverleih)

Im Jahr danach verdiente sie sich für ihre Rolle in "Winterdieb" viel Lob, gedreht von der Schweizerin Ursula Meier, auf Festivals gefeiert und als Schweizer Beitrag für den Oscar 2013 eingereicht. Seydoux spielt das Mädchen Louise, das mit dem kleinen Bruder (links im Bild: Kacey Mottet Klein) in einem Wohnblock im Alpen-Wintersportgebiet haust, ohne Eltern. Der Junge ernährt die beiden durch den Verkauf geklauter Skier, während Louise tagelang mit Männern unterwegs ist, maulfaul und eigentlich minimal liebenswert, trotzdem reißen sich alle um sie. Und die Art, wie sie das ausnutzt, machte dieses Mädchen zu ihrer bis dahin fiesesten Rolle.

Blau ist eine warme Farbe

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(Foto: picture alliance / dpa)

Es war dann aber wieder ein experimenteller Indie-Film, der Léa Seydoux richtig groß machte. "Blau ist eine warme Farbe" von Regisseur Abdellatif Kechiche schockierte und faszinierte Kritiker und Zuschauer, unter anderem mit seinen expliziten Darstellungen - und vor allem mit einer siebenminütigen ungeschnittenen - lesbischen Sexszene. Mit Adèle Exarchopoulos (links) spielte sie ein Liebespaar, von den zarten Anfängen bis hin zur tränenüberströmten Zerrüttung. Dafür bekamen beide 2013 in Cannes zusammen mit Regissuer Abdellatif Kechiche die Goldene Palme verliehen, was eine besondere Auszeichnung war. Normalerweise geht der Hauptpreis an der Croisette nur an Regisseure.

Saint Laurent

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(Foto: picture alliance / AP Photo)

Als 2014 gleich zwei filmische Biografien über den Modedesigner Yves Saint Laurent in die Kinos kamen, war Léa Seydoux natürlich in der wilderen, der nicht autorisierten von Regisseur Bertrand Bonello zu sehen, die sich der großen Lebenskrise Saint Laurents in den Siebzigerjahren widmet. Sie spielte die Rolle von Model und Designerin Loulou de la Falaise (hier mit Gaspard Ulliel als Yves Saint Laurent). .

Die Schöne und das Biest

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(Foto: picture alliance / dpa)

Bloß nicht festlegen lassen: Leicht absurde Großproduktionen haben Léa Seydoux immer wieder angezogen. Zuletzt war das in der etwas düsteren - und von der Kritik geschmähten - Fantasy-Version von "Die Schöne und das Biest" mit Vincent Cassel der Fall, in der sie die Belle spielte.

Tagebuch einer Kammerzofe

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(Foto: Mars Distribution)

Und immer wieder das Kostüm: Als junges Dienstmädchen in Benoît Jacquots Neuverfilmung des französischen Klassikers "Tagebuch einer Kammerzofe" zog Léa Seydoux 2015 die Schürze an, die auch Jeanne Moreau 1964 trug. So gekonnt wie Seydoux zwischen französischen Ikonen-Rollen, winzigen Arthouse-Filmen und großem Hollywood hin und herspringt, wird sie so schnell ganz sicher nicht verschwinden. Ein Glück!

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