Anti-Israel-ProtestRauchbomben im Beethoven-Konzert

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Ein Aktivist mit Bengalo-Fackel während des Konzerts des Israelischen Phiharmonischen Orchesters in Paris.
Ein Aktivist mit Bengalo-Fackel während des Konzerts des Israelischen Phiharmonischen Orchesters in Paris. (Foto: Aurélia Weizmann/X/Aurélia Weizmann/X)

Das Pariser Konzert des Israelischen Philharmonieorchesters wurde massiv von propalästinensischen Demonstranten gestört, es kam zu mehreren Festnahmen. Was wird beim Auftritt der Musiker in München passieren?

Von Reinhard J. Brembeck

Die mit dem Handy aufgenommenen Videos aus der Pariser Philharmonie erinnern an eine Straßenschlacht. Bei einem Konzert des Israelischen Philharmonieorchesters (IPO) unter ihrem Chefdirigenten Lahav Shani kam es am Donnerstagabend zu tumultartigen Protesten in „Hooligan“-Manier, wie die französische Tageszeitung Le Figaro schreibt. Da ist ein Mann zu sehen, der eine rot lodernde und stark rauchende Bengalo-Fackel entzündet, wütendes Geschrei, entsetzt aufspringende Zuhörer, dann Männer, die den Fackelmann mit den Fäusten traktieren. Offenbar propalästinensische Demonstranten störten dreimal das Pariser IPO-Konzert, es gab vier Festnahmen. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erklärte, die Aktion sei durch nichts zu rechtfertigen.

Es gab bereits großen Streit um einen Auftritt des Orchesters in Belgien

Es ist nicht das erste Mal, dass Lahav Shani in den Fokus propalästinensischer Proteste gerät. Der 36-jährige Musiker aus Tel Aviv ist seit 2020 Chefdirigent des IPO, der berühmtesten Kulturinstitution Israels; ab dem nächsten Jahr wird er auch Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Mit denen sollte er vor zwei Monaten bei einem Musikfestival in Belgien gastieren, der Auftritt wurde kurzfristig von den Veranstaltern abgesagt, weil Shani angeblich seine Haltung zum „völkermörderischen Regime in Tel Aviv“ nicht klar genug zum Ausdruck gebracht hätte. Der Vorfall erregte die Gemüter, Politiker kritisierten die Festivalleitung aufs Schärfste.

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Immer wieder wird der aus Israel stammende neue Chefdirigent der Münchner Philharmoniker nach seiner Haltung zum Krieg in Nahost gefragt. Nun antwortet er: Versöhnung ist möglich.

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Shani verwies danach in einem Statement auf die unmenschliche Horrorattacke der Hamas vom 7. Oktober 2023, beklagte aber auch das Leiden der Zivilisten in der Katastrophe des Gaza-Kriegs, der möglichst schnell beendet werden müsse, um mit Versöhnung und Wiederaufbau zu beginnen. Diese Erklärung hat nicht verhindern können, dass die derzeitige Tournee von Shani und dem IPO erneut Ziel von Protesten wurde, in Wien, Köln, Paris. Orchester wie Dirigent gelten manchen als offizielle Vertreter der israelischen Regierung. Sie sind es aber nicht.

Am Dienstag steht das Konzert in München an, Pianist Igor Levit soll dann das 5. Klavierkonzert von Beethoven spielen. Im Deutschlandfunk hat der hörbar erregte Musiker, der Erfahrung mit Konzerten unter Polizeischutz hat und öfter schon Morddrohungen erhielt, vom „Versuch der Einschüchterung“ gesprochen, die Pariser Aktionen in die Nähe von Terrorismus gerückt.

Gleichwohl freut er sich auf das gemeinsame Konzert in München. Was wird da passieren? Das ist unklar, das Konzert in Hamburgs Elbphilharmonie verlief trotz einer Protestankündigung störungsfrei. Außerdem dürften die bayerischen Sicherheitsbehörden, aufgeschreckt durch die Pariser Randale, die nötigen Vorkehrungen inklusive Personenkontrollen anordnen, um Proteste zu vermeiden. Ob das genügen wird?

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