"Läuft bei dir" ist Jugendwort des Jahres:Flüchtiges Glück

Mit "Läuft bei dir" gewinnt erstmals ein Satz die Wahl zum "Jugendwort des Jahres 2014". Anders als bei den bisherigen Spaßformulierungen, hat sich die Jury damit für ein tiefgründiges Lebensgefühl entschieden.

Von Daniel Lehmann

Glück gehört zum Leben dazu. Und wer es jemandem ohne Neid gönnt, kann das mit "Läuft bei dir" kommentieren - zumindest unter jungen Leuten. Vielleicht liegt es daran, dass eine Jury des Langenscheidt-Verlags den Ausdruck nun zum Jugendwort des Jahres 2014 gekürt hat. Wobei, streng genommen ist es ein Jugendsatz des Jahres - ein Novum in der siebenjährigen Geschichte der Wahl.

Doch das nur am Rande. Mit ihrer Wahl liegen die Juroren trotzdem genau richtig. "Läuft bei dir" ist viel mehr als ein Synonym für cool oder krass. Es kann Anerkennung, womöglich sogar Stolz ausdrücken: Jemand hat sich durchgesetzt, seine Ziele wider alle Umstände erreicht.

Genieße, solange du kannst

Aber das Lob kommt nicht ohne Vorbehalt. An der nächsten Straßenecke kann das Leben schon wieder ganz anders aussehen. "Läuft bei dir" ist daher die moderne Kombination aus "Carpe diem" und "Memento mori": Schön, dass es dir gerade gut geht. Genieße es, solange du kannst. Wer "Läuft es bei dir?" fragt, drückt damit bereits die Hoffnung aus, dass das Gegenüber zurechtkommt.

Der Satz beschreibt also ein Lebens- und Zusammengehörigkeitsgefühl - ist dabei aber tiefgründiger als "Yolo!" (Gewinner in 2012). In "Yolo!" (Akronym für you only live once - man lebt nur einmal) steckt zwar ebenfalls die Botschaft "nutze den Tag" - doch hedonistisch interpretiert, wird diese nicht zu Ende gedacht.

Der Vorjahressieger "Babo", der einfach für Boss oder Anführer steht, ist von alledem sogar noch weiter weg. "Läuft bei dir" hingegen grenzt sich nicht nur von all den Spaßformulierungen ab (im aktuellen Ranking landete zum Beispiel "Senfautomat", ein Synonym für Klugscheißer, auf Rang fünf), sondern könnte wirklich Ausdruck dessen sein, wie Jugendliche fühlen.

Deshalb fällt es nicht weiter ins Gewicht, dass die Jury ihre Bewertungskriterien in diesem Jahr etwas lascher aufgefasst hat. "Läuft bei dir" ist weder sprachlich kreativ, noch originell oder setzt gar ein gesellschaftliches Ereignis voraus. Immerhin sei der Satz ohne regionale oder soziale Einschränkungen weit verbreitet und beschreibe perfekt eine für Jugendliche typische Situation, meint die Jury.

Letzteres trifft zwar auch auf das zweitplatzierte "Gönn dir!" zu. Aber wenn's läuft, dann läuft's eben.

© SZ.de/cag
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