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"La La Land" im Kino:Jeder tanzt für sich allein

Soll Kunst lebendig sein, muss sie aus dem Leben entstehen. Emma Stone und Ryan Gosling beim Balztanz auf den Hollywood Hills.

(Foto: AP)

Emma Stone und Ryan Gosling tanzen und singen in "La La Land" fast wie im alten Hollywood. Aber funktionieren die Träume von früher im Zeitalter von Social Media überhaupt noch?

Unter einem Himmel, der in ein violett-blau-gelbes Licht getaucht ist, schlendern Sebastian und Mia auf dem Heimweg von einer Party auf eine Straßenkurve zu. Unterhalb der Kurve liegt Los Angeles, die Stadt der Träume.

Vom Träumen verstehen die beiden einiges. Sie liebt das Kino und will Filmschauspielerin werden. Deshalb rennt Mia von einem Casting zum nächsten, während sie sich ihr Geld in einem Coffee Shop auf dem Warner Brothers Studiogelände verdient. Er wiederum liebt den Jazz und träumt von einem eigenen Club, ist aber zum Broterwerb dazu verdammt, in einem Restaurant den Gästen Fahrstuhlmusik vorzuklimpern.

Die beiden haben sich gerade erst kennengelernt. Sie wissen noch nicht, ob sie sich leiden können und was sie miteinander anfangen sollen. Also muss man es halt ausprobieren, zum Beispiel, indem man miteinander tanzt. Und so ergreift Sebastian mitten im Laufen einen Laternenmast, schwingt sich um ihn herum und eröffnet eine Tanznummer.

La La Land Das ist der Traum! Video
Kinotrailer "La La Land"

Das ist der Traum!

Emma Stone und Ryan Gosling brillieren in "La La Land" als zwei hoffnungslose Träumer, die im jeweils anderen jemanden erkennen, der genau wie sie selbst nur das im Leben machen will, wofür das Herz schlägt. Hier der Trailer.

Die Szene ruft Erinnerungen wach an den Musicalfilm "Band Wagon" von Vincente Minnelli (1953). Auch hier gab es diesen Moment, in dem sich unvermittelt das Bein von Cyd Charisse hebt, während sie mit Fred Astaire im Central Park spazieren geht.

Ein Moment, in dem das Gehen aufhört und aus der Bewegung heraus der Tanz beginnt. Die beiden spielen zwei Schauspieler, die zusammen in einem Musical auftreten sollen und dazu lernen müssen, miteinander zu tanzen. Und zwar ohne die steife Choreografie der Bühne, sondern aus dem Leben heraus, einer plötzlichen Eingebung folgend, einer Lust, einer kleinen Melodie.

Das große Vorbild für den Film ist der Musical-Meister Vincente Minnelli

Das Musical "La La Land" von Damien Chazelle, das am vergangenen Sonntag mit sieben Golden Globes ausgezeichnet wurde (unter anderem für die beiden Darsteller und den Regisseur), und das auch als heißer Oscar-Kandidat gilt, ist eine Hommage ans klassische Hollywood-Musical.

Speziell aber ist es ein Kommentar zu Minnellis Tanzfilmen, zu "American in Paris" und vor allem eben "Band Wagon". Statt Fred Astaire und Cyd Charisse tanzen Ryan Gosling und Emma Stone, während der bunte Studiohimmel, unter dem sie ihre Tanznummer auf den Hollywood Hills absolvieren, wie das zeitlose Studiodekor strahlt, in dem man wie ein Echo von früher noch immer die berühmten Zeilen aus "Band Wagon" zu hören meint: "The world is a stage, the stage is a world of entertainment. . .". Das war gewissermaßen das Credo der großen Kunst Minnellis, auf dessen Grabstein "Traumweber" zu lesen ist.

Um Träume zu weben, muss die Kunst lebendig sein, muss die Welt eine Bühne werden und die Bühne eine Welt, müssen die in Gesang und Tanz gekleideten Traumszenen fiktiv und real zugleich wirken. Soll Kunst lebendig sein, muss sie aus dem Leben entstehen. In Minnellis Filmen wurde daher überall getanzt und gesungen, und daran hat sich auch Chazelle orientiert.

Nur sind im Jahre 2017 die Träume in der Eleganz, die Fred Astaire und Cyd Charisse bei Minnelli hatten, nicht mehr zu haben. Der Tanz wirkt noch beschwingt, aber er ist auch millimetergenau choreografiert. Er erzeugt ein Gefühl der Befreiung, aber er ist auch ein Korsett.

Das Glück mit der Kunst lässt sich mit dem privaten Glück nicht mehr vereinbaren

Das zeigt schon die erste Tanznummer des Films, gefilmt in einer einzigen Einstellung. Ein Stau auf der Autobahn in Los Angeles, nichts geht mehr, und schon bald steigen die Leute aus ihren Wagen, wirbeln fröhlich und befreit über die in der Sonne glänzenden Karossen. Bis sie dann doch alle wieder einsteigen, die Kamera zum Stillstand kommt und das Gehupe wieder losgeht.

"Für alle, die zu träumen wagen" steht auf den "La La Land"-Postern. Klar, Mia und Sebastian sind Träumer, sie träumt vom alten Hollywood, er vom alten Jazz. Aber so romantisch und nostalgisch, wie das klingt, läuft es hier nicht. Denn tanzen, singen, träumen - all das muss man heute "wagen", weil es eine enorme Anstrengung bedeutet.

Träumen ist eine Frage der Virtuosität, und die ist ebenso die Voraussetzung zum Träumen wie auch ihr drohender Erstickungstod. Darum ging es schon in Chazelles letztem Film, seinem Überraschungserfolg "Whiplash" von 2014.

Dort wurde ein Schlagzeugschüler von einem sadistischen Lehrer bis zur Besinnungslosigkeit gequält, um ihn zum Genie zu machen, ihn seinen Rhythmus finden zu lassen. Genie, Inspiration, Musikalität, der spontane Funke, der Traum von der ganz großen Karriere.

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