Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche Verloren im Paradies, verfolgt in der Wüste

In "Den Menschen so fern" spielt Viggo Mortensen einen Dorfschullehrer auf der Flucht.

(Foto: epd)

Viggo Mortensen berührt das Publikum in "Den Menschen so fern" und lohnt den Kinobesuch. "Escobar - Paradise Lost" erzählt die Geschichte von Kokainkönig Escobar sehr einseitig. Welche Filme überzeugen - und welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

Big Business

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Big Business - Außer Spesen nichts gewesen

Big Business - Außer Spesen nichts gewesen

Ein warmherziges Drama um gemobbte Kinder und Existenznöte der Erwachsenen in der globalisierten Welt oder doch eher eine zotig alberne Komödie über den Businesstrip eines Startup-Trios nach Berlin? So recht weiß "Starbuck"-Regisseur Ken Scott nicht, was er mit dem verblassenden Ruhm von Vince Vaughn, dem seriösen Ernst von Tom Wilkinson und dem Jungspund-Sexappeal von Dave Franco machen soll. Also wirft er sie kurzerhand zusammen mit Sienna Miller, Nick Frost und James Marsden in einen Berliner Suff und Sex-Themenpark samt G8- Bürgerprotesten, Lederbar-Besuch und Live-in-Kunstinstallation im Hotelzimmer. Anke Sterneborg

Den Menschen so fern

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Den Menschen so fern

Den Menschen so fern

Grandiose Landschaftspanoramen, ein brillanter Viggo Mortensen, Musik von Nick Cave und Warren Ellis. Algerien 1954, ein Dorfschullehrer gerät im beginnenden Unabhängigkeitskampf zwischen alle Fronten. David Oelhoffen malt die Camus-Kurzgeschichte "Der Gast" zum "algerischen Western" aus. Abenteuerfilm und hochaktuelle Meditation der Frage nach Brüderlichkeit in einer von Feindbildern vergifteten Welt. Rainer Gansera

Duff - Hast du keine, bist du eine

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Duff - Hast du keine, bist du eine

Duff - Hast du keine, bist du eine

Regisseur Ari Sandel stellt dem üblichen Highschool-Comedy-Personal eine neue soziologische Gruppe zur Seite: Den Duff, "designated ugly fat friend" - jenes weniger begehrte Cliquenmitglied, das die Schönen schöner wirken lässt. Bis auf das bezaubernd-subtile Spiel von Hauptdarstellerin Mae Whitman schwankt die komödiantische Qualität aber wie ein pubertärer Hormonhaushalt: zwischen Hashtag-Humor und leichtfüßiger Cybermobbing-Kritik, Unterwäsche-Zoten und Selbstironie. Annett Scheffel

Escobar - Paradise Lost

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Escobar - Paradise Lost

Escobar - Paradise Lost

Benicio del Toro spielt Pablo Escobar, den 1993 erschossenen kolumbianischen Kokainkönig, der bis heute als der grausamste und berühmteste aller Drogenbosse gilt. Rachsüchtig und eiskalt, aber auch überraschend romantisch und zärtlich - allein diese gespaltene Performance, die auf historischen Fakten beruht, lohnt den Film. Weniger zwingend ist die Idee von Regisseur Andrea di Stefano, das alles aus der Perspektive eines weißen, westlichen Unschuldslamms zu erzählen - Josh Hutcherson gibt den nichtsahnenden kanadischen Surftouristen, den die Liebe in den Escobar-Clan hineinführt. Tobias Kniebe

Für immer Adaline

Nach einem mysteriösen Unfall mit anschließendem Blitzschlag hört die 29-jährige Adaline ("Gossip Girl" Blake Lively) auf zu altern. Mit dieser irrwitzigen Plot-Idee hätte man alles mögliche anstellen können. Regisseur Lee Toland Krieger beschränkt sich leider auf ein recht vorhersehbares Liebesmärchen, das zwar mit schönen Bildern und Harrison Ford in einer herzzerreissenden Nebenrolle aufwartet, ansonsten aber kaum mehr Tiefgang bietet als eine ganze Staffel Gossip Girl. Karoline Meta Beisel

It Follows

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It follows

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Ein Highschool-Horror, recht fern der Hysterie, die sonst dieses Genre bestimmt, auch der Plot ist schön minimalistisch: Wer Sex hat, wird von einem Geist verfolgt, und nur durch Sex lässt der sich an ein nächstes Opfer weitergeben. Die Bilder dazu sind blass, die USA verwildert, doch trotz der unterkühlten Atmosphäre erzählt Regisseur David R. Mitchell Grundsätzliches über Freundschaft, die Gefahr und Tod nicht scheut. Doris Kuhn

Kafkas der Bau

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Kafkas Der Bau

Kafkas Der Bau

Woher kommt die Gefahr, von Innen oder von Außen? Jochen Alexander Freydank macht sich seinen Reim auf Kafkas Der Bau - als Parabel auf moderne Isolation. Axel Prahl ist grandios als vor sich hin murmelnder Einsiedler, und Freydanks Bilder des Verfalls sind auch sehr reizvoll; aber letztlich ist die Geschichte so überfrachtet mit vagen Einladungen zur Assoziation, dass wenig davon haften bleibt. Susan Vahabzadeh

Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt

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Mama gegen Papa

Mama gegen Papa

Scheidungseltern (Marina Foïs, Laurent Lafitte), die einmal nicht um das Sorgerecht streiten, sondern es dem andern andrehen wollen. Aus Karrieregründen. Weshalb Papa & Mama ihre Kids vorsätzlich übel traktieren. Martin Bouboulons auf den Kopf gestellter Rosenkrieg hebt munter komödiantisch an, um sich rasch in den abstrusen Exzess einer Kinder-Demütigungs-Gaudi zu verwandeln. Wer mag das lustig finden? Rainer Gansera

Terminator: Genisys

Arnold Schwarzenegger als Vorreiter des sich selbst recyclenden Blockbusterkinos. Im fünften Teil der "Terminator"-Reihe passiert exakt dasselbe wie in den ersten Folgen. Alan Taylor inszeniert sogar einzelne Einstellungen so, wie Terminator-Erfinder James Cameron es in den Achtzigern vormachte. In diesem Sinne ist es nur konsequent, dass Arnie gegen sich selbst kämpfen muss, genauer gesagt: gegen sein digital verjüngtes Ich. Harter Doppelgängerstoff. David Steinitz

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"Terminator: Genisys"

Arnold Schwarzenegger ist wieder zurück.