bedeckt München 22°

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Kuchen oder Ohrfeige?

Die "Mommy" des schwer erziehbaren Steve ist von seiner Gewalt eingeschüchtert und mit der Erziehung überfordert. Liam Neeson jagt derweil psychopatische Serienkiller in "Ruhet in Frieden". Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

1 / 12

Bären

Ausgegrenzt: Der Bär "Chinook" muss alleine für sein Überleben sorgen.

Quelle: Photo: Adam Chapman

Wölfe, Hunger, eigene Artgenossen - das sind reale Gefahren für die Bärenjungen Amber und Scout. Die Naturfilmer Alastair Fothergill und Keith Scholey begleiten eine Braunbärenfamilie im Kampf ums Überleben. Großartige Bilder, die durchaus mehr für sich selbst sprechen könnten. Der vermenschlichende Redefluss des Erzählers aber lässt die Bilder verblassen.

Laura Hübner

2 / 12

Bevor der Winter kommt

Neurochirurg Paul trifft auf die attraktive Kellnerin Lou.

Quelle: dpa

Rote Rosen der Leidenschaft in einer Welt der gefrorenen Gefühle. Renommierter Chirurg gerät wegen einer geheimnisvollen Schönen ins Straucheln, als eine geheimnisvolle Schöne in sein Leben tritt. Ehedrama, Thriller, brillante Darsteller: Daniel Auteuil, Kristin Scott Thomas. Schriftsteller und Filmemacher Philippe Claudel variiert das Lieblingsthema des französischen Arthauskinos: der diskrete Charme der Bourgeoisie als Lügenfassade.

Rainer Gansera

3 / 12

Dumm und Dümmehr

Die Freunde Lloyd Christmas und Harry Dune treiben's wieder bunt.

Quelle: dpa

Ein guter Gag ist immer eine Sache eines guten Timings. Ein gutes Timing braucht manchmal viele Jahre. Zwanzig Jahre nach ihrem Erfolg "Dumm und dümmer" legen die Brüder Bobby und Peter Farrelly eine Fortsetzung vor, in der Jim Carrey und Jeff Daniels knallharte Familiengeschichte treiben. Ein Film, der richtig an die Nieren geht. So bewegend und deklassierend genau wie die Filme der europäischen Brüder-Kollegen Dardenne.

Fritz Göttler

4 / 12

Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss

Profikiller Koralnik im Einsatz

Quelle: dpa

Geschichte eines Auftragskillers ohne Aufträge als Komödie ohne Witz: Koralnik (Benno Fürmann) ist die perfekte Killermaschine, die nur auf den Einsatz wartet - der aber nie kommt. Kein Wunder, er arbeitet für die EU. Mit der Chaotin Rosa (Malvie Hörbiger) erlebt er dafür jede Menge Quatsch. Der Film von Florian Mischa Böder ist so bemüht und verkrampft wie seine langweilige Hauptfigur.

Nicolas Freund

5 / 12

Die Mannschaft

Zwei, die sich besonders lieb haben: Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger

Quelle: Constantin Film/dpa

"Die Mannschaft" will ein Dokumentarfilm über die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien sein. Wenn Manager Oliver Bierhoff ihn selbst gedreht hätte, sähe er auch nicht anders aus: Aufwärmen in Südtirol, Titel holen bei Ausflügen aus dem Urlaubsparadies Campo Bahia. DFB-Präsident hält Ansprachen, Spieler scherzen, Morgenandacht und Abendandacht: Beschwörung des Mannschaftsgeistes. Nur für hartgesottene Fans. Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier.

Lothar Müller

6 / 12

G.B.F.

Die Highschool: Brutstätte für Cliquen-Bildung und Ausgrenzung

Quelle: Pro-Fun

Der GBF ist der neueste Trend auf der Highschool, der Gay Best Friend aus der Klasse, den die dominierenden Klassenzicken sich als Glanz- und Glitterstück halten. Ein Accessoire-Schwuler. Die Highschool als Ort der gemeinster Rivalitäten und schmerzhafter Enttäuschungen, unter denen vor allem die düpierten Jungs leiden. Darren Stein ist Spezialist für Prom-Night-Filme, steuert hier auf ein Carrie-meets-Mariah-Carey-Finale zu. Bewegend lustig: ein Outingversuch vor den Eltern, der fürchterlich schief geht.

Fritz Göttler

7 / 12

Gardenia

Brillant bis zum Schluss: Vanessa Van Durme in Gardenia

Quelle: Real Fiction

Eine rührende Geschichte . Rührende Lebensgeschichten vom schwierigen Selbstbekenntnis der betagten Travestiekünstler präsentiert der Dokumentarist Thomas Wallner in Talking-Heads-Manier präsentiert. Schade, dass von der grandiosen Gardenia-Bühnenshow, die Tanztheater-Genie Alain Platel mit Frank Van Laecke erschuf und zum Welterfolg machte, nur Schnipsel zu sehen sind.

Rainer Gansera

8 / 12

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Nicole Kidman kann sich nicht erinnern. Hilft die Kamera?

Quelle: dpa

Ein fader Beigeschmack mischt sich in Rowan Joffés Amnesie-Thriller, in der Nicole Kidman nach ihrer vergessenen Identität such. Es ist das Gefühl, den Plot schon aus den 90ern zu kennen. Und es ist das Gefühl, dass der Film trotz anderthalb Stunden feinster, kühler Paranoia am eigenen Willen scheitert, alles vorschriftsmäßig nach Hitchcocks Suspense-Handbuch zurechtzubiegen. Mutig ist das nicht, immerhin aber unterhaltsam.

Annett Scheffel

9 / 12

Mommy

Der gewalttätige Sohn Steve und seine Mutter Diane.

Quelle: Weltkino

"Tarte ou crumble - Kuchen oder Streusel?" fragt gegen Ende die "Mommy" (Anne Dorval) des schwererziehbaren Steve die Nachbarin. Auf Französisch heißt "tarte" auch "Ohrfeige". Das Kino von Xavier Dolan, 25, Junggenie, will beides sein: Schlag ins Gesicht und visuell verdammt lecker. Welche Kritik verdient Dolan? Ohrfeigen oder Streuselkuchen? Weder noch. Sondern einfach: begabt und mittelmäßig.

Philipp Stadelmaier

10 / 12

Nightcrawler

Immer auf der Suche nach dem nächsten Bild: Jake Gyllenhaal als Nightcrawler Louis.

Quelle: AP

Louis ist ein "Nightcrawler" in L.A., einer der Jäger des Unheils, die Nacht für Nacht den Polizeifunk abhören, um blutige Videos von Tod und Verbrechen ans TV zu verkaufen. Jake Gyllenhaal spielt ihn brillant als gespenstischen Selfmade-Man, der auch uns bilderhungrige Zuschauer in den dunklen Sog seiner Erfolgsgeschichte hineinzieht. Und geschickt zerstört Regiedebütant Dan Gilroy die Ausflucht des Zuschauers, dass sich immer nur die anderen vom Grauen faszinieren lassen. Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier.

Tobias Kniebe

11 / 12

Ruhet in Frieden

Liam Neeson als Privatdetektiv und ehemaliger Polizist.

Quelle: dpa

Thriller um die Jagd auf zwei psychopathische Serienkiller, die sich auf die Frauen von Drogendealern spezialisiert haben. Scott Franks Verfilmung der Bestsellerserie um den New Yorker Detektiv Matt Scudder ist ein interessanter Bastard aus dem klassischem hardboiled Film Noir der Vierziger und solider Pre-9/11-Action, die angenehm altmodische Sorte von Thriller, die sich eher auf Stimmung der Schauplätze und das Charisma der und Figuren verlässt als auf Tempo und Effekte. Hier und da etwas holprig, aber für Liam Neeson der Weg aus der allemal sinnlosen Gewalt-Action der letzten Jahre.

Anke Sterneborg

12 / 12

Wie schreibt man Liebe

Gastdozent Keith beginnt eine Affäre mit seiner Studentin Karen.

Quelle: dpa

Nach vier Filmen sind Regisseur und Autor Marc Lawrence und Hugh Grant ein eingespieltes Team - das sich allerdings ein bisschen zu sehr auf witzige Einzeiler stützt und mit Grants verblassendem Ruhm kokettiert. Ein abgehalfterter Drehbuchautor gibt hier an einem Provinz-College ein Seminar. Hätten Lawrence und Grant ihre eigenen Ratschläge befolgt, müssten Schauspieler wie J.K. Simmons und Marisa Tomei nicht mit Klischees ringen. Eine Vorstellung im Video sehen sie hier.

Anke Sterneborg

© SZ vom 13.11.2014/danl

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite