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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Entschlossene Männer, fremdelnde Damen

"Tiefe Wasser" ist eine traurige Romanze vom großen Jungsglück, in "Violette" wird herb und klug gespielt und "Sauacker" ist voller kleiner, spannender Vater-Sohn-Dramen. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

7 Bilder

Anna Maria Sturm in "Beste Chance", Kino

Quelle: dpa

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"Tiefe Wasser" ist eine traurige Romanze vom großen Jungsglück, in "Violette" wird herb und klug gespielt und "Sauacker" ist voller kleiner, spannender Vater-Sohn-Dramen. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht. Die Filmstarts vom 26. Juni auf einen Blick - bewertet von den SZ-Kritikern.

Beste Chance

Der letzte Teil von Marcus H. Rosenmüllers Trilogie über zwei Mädchen in Oberbayern: Sie sind fünf Jahre älter geworden, die eine kehrt heim, die andere zieht in die Fremde. Beide führen noch immer einen Krieg gegen Trägheit oder Vernunft, den auch ihre Umgebung spürt: Mütter müssen weinen, Väter müssen nach Indien, Freunde müssen ihr Liebesleben überdenken.

Neu im Kino: "Beste Chance" vorgestellt per Video.

Doris Kuhn

Im Bild: Anna Maria Sturm als Kati

Vivian Maier

Quelle: Vivian Maier/Collection John Maloof Courtesy Howard Greenberg Gallery, New York Les Douches

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Finding Vivian Maier

Bei einer Nachlassversteigerung in Chicago ersteht der junge Historiker und Filmemacher John Maloof eine Kiste mit Negativen - und entdeckt das Werk der eigensinnigen Straßenfotografin Vivian Maier. Sie arbeitete als Nanny und hinterließ Tausende unveröffentlichte Fotos. Heute wird sie mit Größen wie Diane Arbus verglichen. Maloofs Dokumentation ist eine wunderschöne Würdigung dieses aus der Zeit gefallenen Lebens. Dass er das Widersprüchliche darin stellenweise etwas glattbügelt, verzeiht man gerne.

Anna Mayrhauser

Tiefe Wasser Kino

Quelle: Salzgeber

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Tiefe Wasser

Das große Jungsglück, auf einen Güterzug aufspringen, in einem offenen Waggon fahren in ein Nirgendwo ... Eine traurige kleine Romanze von Tomasz Wasilewski. Kuba trainiert für Schwimmwettkämpfe, er wohnt mit Sylwia und mit Ewa, die gern Filme anschauen will mit ihm im Fernsehen, sie ist seine Mutter. Jeunesse dorée in Warschau, Dynamik, die zu Styling wird. Kuba trifft den jungen Michal, träumt von einem freien Floating in der Liebe, ohne Ausschließlichkeit, ohne Ambition, ohne Identität.

Fritz Göttler

Kinostart - 'Mädelsabend'

Quelle: dpa

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Mädelsabend

Odyssee der Nachrichtsprecherin Meghan (Elizabeth Banks), die sich nach einer Mädels-Party in den nächtlichen Straßen von L.A. verirrt. Der Gag: in ihrem kanariengelben Cocktailkleid sieht sie allzu sexy aus und so halten sie alle - der lüsterne Taxifahrer, der zynische Streifenpolizist und der nette Crack-Dealer - für eine Prostituierte. Allzu dünne Comedy-Idee, die Regisseur Steven Brill in zotigen Jokes verpulvert.

Neu im Kino: "Mädelsabend" vorgestellt per Video.

Eine ausführliche SZ-Rezension im Video finden Sie hier.

Rainer Gansera

Im Bild: Elizabeth Banks als Meghan

Kinostart - 'Violette'

Quelle: dpa

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Violette

Krieg und Nachkrieg, in Frankreich. Die Abenteuer des Überlebens, Kälte und Hunger, physisch wie seelisch. Die Schriftstellerin Violette Leduc fremdelt beträchtlich unter den monstres sacrés der Pariser Intellektualität, zwischen Simone de Beauvoir und Jean Genet. Eine Bastardin. Ihr Leben und Sinnen und Schreiben, von Martin Provost subtil in Szene gesetzt, von Emmanuelle Devos herb und klug gespielt.

Fritz Göttler

Im Bild: Emmanuelle Devos als Violette

Kinostart - 'Sauacker'

Quelle: dpa

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Sauacker

Die Kuh kalbt, der Bankberater fordert ein "belastbares Konzept", der Vater will an der unrentablen Schweinemast festhalten. Erfrischend nah schildert Dokumentarist Tobias Müller den Alltag eines schwäbischen Bauernhofs. Kann der Familienbetrieb dem Rationalisierungsdruck standhalten? Jungbauer Philipp, 30, will nicht aufgeben. Besonders spannend: die kleinen Vater-Sohn-Dramen im Widerstreit der Lebensentwürfe.

Rainer Gansera

Wechselzeiten Triathlon

Quelle: Close Distance (Barnsteiner)

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Wechselzeiten - auf dem Weg zum ersten Triathlon

Der Durchschnittsdeutsche ist ja schon stolz, wenn er mal Treppen steigt. Manche Leute wollen mehr - Guido Weihermüllers Dokumentation folgt einer Gruppe von Frauen, die sich auf den Hamburger Triathlon vorbereiten, allesamt Rookies, Ersttäter. Eine war mal schwer verletzt, eine hat Angst, im Muttersein zu verschwinden, eine rennt, weil sie ihren verstorbenen Vater vermisst. Letztlich laufen sie alle ein Rennen mit dem Tod - und beim Triathlon können sie gewinnen.

Susan Vahabzadeh

© SZ.de/nema
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