Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Auf der Jagd nach Liebe

In der Inklusions-Tragikomödie "Vielen Dank für Nichts" soll eine Pflegerin erobert werden, in "Maman und ich" unternimmt Guillaume Gallienne diverse Liebesversuche und in "Love & Engineering" wollen sich Informatik-Nerds in Frauenherzen hacken. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

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(Foto: dpa)

In der sehr engagierten Inklusions-Tragikomödie "Vielen Dank für Nichts" soll eine Pflegerin erobert werden, in "Maman und ich" unternimmt Guillaume Gallienne zaghaft und albern zugleich verschiedene Liebesversuche und in "Love & Engineering" wollen sich Informatik-Nerds in Frauenherzen hacken. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht. Boyhood Im Mittelpunkt steht Mason (Ellar Coltrane), ein Junge in Texas, der am Anfang Erstklässler ist und am Ende aufs College geht. Zwölf Jahre hat Richard Linklater an diesem Film gearbeitet, von 2002 bis 2013. Jedes Jahr wurden ein paar Szenen mit Mason und seiner Familie gedreht - so kommt Linklater in diesem einmaligen Filmexperiment der Magie des Heranwachsens auf die Spur. Und der Zeit selbst. Neu im Kino: "Boyhood" vorgestellt per Video. Tobias Kniebe Im Bild: Ellar Coltrane als Mason.

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(Foto: dpa)

Brick Mansions Eine wilde Jagd durch amerikanische Kinogenres, produziert von Luc Besson, Regie führt sein Cutter Camille Delamarre. Brick Mansions ist das (imaginäre) Gangsterviertel von Detroit, abgeschottet vom Rest der Stadt. Hier dominieren die Drogendealer, hier gibt es eine endlose Kette von Überfällen, Entführungen, Zweikämpfen, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Autojagden - und Parkour. Das ist eine halsbrecherische tour de force über die Dächer des Viertels, die die Filmemacher aus Frankreich mitgebracht haben. Ihr Star David Belle darf dem Fast-&-Furious-Helden Paul Walker - sein letzter beendeter Film - schon mal die Schau stehlen. Neu im Kino: "Brick Mansions" vorgestellt per Video. Fritz Göttler Im Bild: David Belle (links) als Lino und Paul Walker als Damien Collier.

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(Foto: Filmtank)

Love & Engineering Die Liebe nach den Gesetzen des Algorithmus: Vier finnische Informatik-Nerds, die an der Schwelle zur 30 ihre intimste Beziehung zum Computer unterhalten, sollen lernen, wie man sich in Frauenherzen "hackt". Die Langzeit-Doku des in Finnland lebenden Bulgaren Tonislav Hristov verbindet Nabelschau mit Selbsthilfe, was bisweilen komisch, manchmal anrührend und oft beliebig anmutet. Letztlich dürfte der Film selbst als Form der Kontaktanzeige wirkungsvoller sein als alle wissenschaftlichen Versuchsreihen. Anke Sterneborg

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(Foto: Gaumont Distribution)

Maman und ich Maman ist omnipräsent in dieser Film-Performance, die lustvoll, zaghaft, albern ist und ein wenig genant. Guillaume Gallienne (Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller und -darstellerin) zelebriert Identitätsfindung und Liebesversuche eines Großbürgermüttersöhnchens, nach Erinnerungen an die eigene Jugend. Fünf Césars hat der Film dieses Jahr gekriegt. Neu im Kino: "Maman und ich" vorgestellt per Video. Fritz Göttler Im Bild: Guillaume Gallienne als Gulliaume/Maman.

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(Foto: Arsenal Institut)

Sieniawka Marcin Malaszcza porträtiert in langen Einstellungen und ohne jede Kontextualisierung, ein Verrückten-Asyl, die Ruinen der Vergangenheit und der Gegenwart an der polnischen Grenze: Reminiszenzen an eine ungewisse Geschichte. Es gibt schwarze Löcher, die Natur und ein Tennis-Match ohne Ball wie in "Blow Up": Das einzig explizite ist Malaszcza Bewunderung für Antonioni und Tarkowski. Philipp Stadelmaier

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(Foto: Camino Filmverleih)

Vielen Dank für Nichts Inklusion als Tragikomödie: Der junge Valentin, nach einem Snowboard-Unfall an den Rollstuhl gefesselt, nimmt widerwillig an einer Hamlet-Inszenierung für körperlich und geistig Behinderte eines Reha-Zentrums teil. Die neuen Mitbewohner entpuppen sich beim Kampf um die Zuneigung der Pflegerin Mira als hilfreiche Komplizen. Der engangierte Film von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand zeigt seine Stärken durch improvisierte Szenen im zweiten Teil. Tobias Ricken Im Bild: Bastian Wurbs (links) als Titus Pichler, Joel Basman als Valentin Frey (Mitte) und Nikki Rappl als Lukas Kofler.

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(Foto: Farbfilm)

Willkommen bei Habib Ein türkischer Dönerbudenbesitzer mit Identitätsproblemen und ein geschasster deutscher Firmenchef werden Freunde, zumindest teilt einer des anderen Leid. Zwar erspart Regisseur Michael Baumann ihnen die üblichen deutsch-türkischen Klischees bei der Balgerei mit Familie, Vergangenheit und Lebenszweck, trotzdem bemüht sich der Film hauptsächlich, das Wort "skurril" neu zu interpretieren. Doris Kuhn Im Bild: Vedat Erincin als Habib und Thorsten Merten als Bruno.

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