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Kurzkritik:Zwischen Tod und Tod

"Wie stirbt man schnell und schön" im Tams

Wie es ausgeht, was am Ende kommt, dessen können wir uns alle gewiss sein und doch wissen wir nichts darüber. Niemand kann sagen, was wirklich geschieht in diesem allerletzten Augenblick. Und wider besseren Wissens bleibt der Gedanke unfassbar: "Es fällt mir schwer zu glauben", erklärt Helmut Dauner, "dass beispielsweise ich sterben werde." Dabei ist das Davor im Grunde weit erstaunlicher, diese, so Werfel, "Unterbrechung zwischen Tod und Tod, die man Leben nennt".

Um unseren Umgang mit dem Sterben dreht sich die neue Produktion "Wie stirbt man schnell und schön" im Tams. Drei Menschen (Sophie Wendt, Helmut Dauner und Lorenz Seib) reden über den Tod. Sie plaudern über Risikofaktoren ("Das Leben im Ganzen ist immer ein Gesundheitsrisiko."), betrinken sich, philosophieren, erzählen Geschichten und stellen uns allerlei Fragen, schlichte, banale und beunruhigende. Unangestrengt lassen sie in die Gespräche eine Fülle an Gedichten und literarischen Texten einfließen von Heine, Storm und Busch über Goethes "Werther" bis zu Ibsens "Peer Gynt", aus dem sie berührend die große Sterbeszene von Mutter Aase vortragen. Dazwischen proben sie reihum diverse Suizid-Arten. Dauner versucht sich zu erschießen, Wendt will sich in einem Kranz erhängen, löst Tabletten in ihrem Weinglas auf und kippt vom Hocker. Sie tröten, singen glockenhell und schmettern im Chor Lieder von "Ich hab die Nacht geträumet" über "Forever young" bis "Homo fugit velut umbra" und stimmen gemeinsam, um die dunklen Schatten zu vertreiben, hinreißend lustvoll "Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein" an. Nein, das ist kein düsterer und deprimierender Abend. Unter Lorenz Seibs Regie bewegt sich das fabelhafte Trio leichtfüßig zwischen Ernst und Komik, lustig absurden und zart melancholischen Momenten. Nur eine kurze Stunde dauert seine schöne kleine Inszenierung, die wunderbar leise ausklingt, wenn zu Haydns Kanon "Tod ist ein langer Schlaf" langsam das Licht erlischt.

© SZ vom 02.07.2019

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