Kurzkritik Zwei Wege, ein Klang

Hélène Grimaud und das Kammerorchester der BR-Symphoniker

Von Andreas Pernpeintner

Welch vertraute musikalische Partnerschaft die Pianistin Hélène Grimaud mit dem Kammerorchester des BR-Symphonieorchesters verbindet, ist, zumal 2011 auf einer feinen Mozart-CD verewigt, bestens bekannt. Schön, die beiden Akteure im Prinzregententheater wieder live zu erleben. In häufigem Blickkontakt weisen Grimaud und Konzertmeister Radoslaw Szulc einander den Weg durch Bachs Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 BWV 1052 und Mozarts d-Moll-Klavierkonzert KV 466. Dabei ist es keineswegs so, dass die Interpretationsauffassungen deckungsgleich wären. Nein, gerade dadurch, dass Grimaud und Kammerorchester einen merklich unterschiedlichen Ton anschlagen und dabei trotzdem in den musikalischen Aussagen zueinanderfinden, entsteht faszinierendes Musizieren - ähnlich wie bei den Einspielungen von Mozarts Konzerten KV 459 und KV 488.

Grimaud wählt diesmal den geradlinigeren Weg. Fast wuchtig geht sie den Solopart im Bach-Konzert an, der ihr keine Verschnaufpause lässt. Grimaud spielt plastisch, aber ohne absolute Detailversessenheit in der Phrasierung, akkurat abgestuft, aber insgesamt recht kernig, im Adagio-Mittelsatz tiefgründig dunkel. Beim Mozart-Konzert treten zu diesen Grundcharakteristika insbesondere Grimauds hochdramatische Solokadenzen. Das Orchester klingt demgegenüber in den dynamischen Ausdrucksmitteln agiler, elastischer, eine Spur kecker, eine Nuance lieblicher. Das Zusammenwirken der beiden Akteure macht den Zauber des Konzerts aus - bis Grimaud und die BR-Musiker bei der Zugabe (dem Andante aus Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 2) zeigen, dass sie auch dann herrlich interagieren, wenn sie wirklich identische Sanftmut anstimmen.

Diese Zugabe wäre an sich perfekt, um das Konzert, auf den transparent-farbigen Beginn des Abends mit Samuel Barbers Adagio for Strings op. 11 verweisend, schlüssig zu beenden. Doch die kurz aufdämmernde Frage, ob Haydns Symphonie Nr. 60 "Il Distratto" eventuell ein unpassender Anschluss ist, stellt sich nach dem ersten Ton nicht mehr: Mit welcher Spielfreude das BR-Kammerorchester dieses elegante, bodenständige, beherzte, amüsante Werk (das auf einer Bühnenmusik zu einer Komödie basiert) anpackt, ist einfach hinreißend.