Kurzkritik Zum Sterben schön

Ein Liederabend mit Manuel Walser

Von Klaus Kalchschmid

Das Leben sanfter beschließend, bereiter für den Tod und jenseitiger kann ein Schubert-Lieder-Abend wohl kaum enden als der des jungen Baritons Manuel Walser mit Akemi Murakami am Flügel in der intimen Kontrapunkt Klavierwerkstatt in Obermenzing. Der zweite Teil des Abends öffnete sich gleich zu Beginn in den Himmel Gottes ("Im Abendrot"), das lyrische Ich in "Des Fischers Liebesglück" wähnte sich "schon drüben zu sein", wie auch Mord und Suizid in "Der Zwerg" mystisch überhöht sind. "Todesmusik" und "Totengräbers Heimwehe" schließlich, sphärisch endend mit "Ich komme, ich komm!" tragen das Sterben schon im Titel.

Manuel Walser fand nach der Pause zu innigsten Tönen, die stets getragen waren von einem fein vibrierenden Bariton, bei dem jedes Wort Gewicht und Ausdruck hatte und die musikalische Linie dank eines wunderbaren Legato nie beschädigt wurde. Die Ballade vom Zwerg, der aus Eifersucht seine Prinzessin, die den Tod herbeizusehnen scheint, auf See umbringt, um sich dann selbst den Fluten zu überantworten, gestaltete Walser als packende Ballade, wie der 29-Jährige auch im ersten Teil mit manchmal fast jünglingshafter Naivität vom Sehnen schwärmte ("Die Taubenpost", "Sehnsucht") oder von aufwühlendem Liebesschmerz sang ("Aufenthalt").

Mit dem herrlich zuversichtlichen und doch so tief empfundenen "Der Wanderer an den Mond" hatten Walser und seine Pianistin, die fast zu schön und zurückhaltend begleitete, begonnen. Beide machten "Du bist die Ruh" zur einsamen Perle und gaben am Ende nach langer, ergriffener Stille noch "Nacht und Träume" zu. Auf den Abend, der am 17. November im Max-Joseph-Saal die vierteilige diesjährige Reihe "Liederleben" beendet, darf man sich jetzt schon freuen. Dann stehen Schumanns Liederkreis op. 39, "Vier ernste Gesänge" von Johannes Brahms und die "Kindertotenlieder" von Gustav Mahler auf dem Programm.