Kurzkritik Wir brauchen Panik

Udo Lindenberg macht fast drei Stunden "sein Ding" in der Olympiahalle

Von Oliver Hochkeppel

Was Rammstein recht ist, ist Udo Lindenberg nur billig: Mit großem Rumms, Flammenmeer und Pyrotechnik startete der Altrocker in sein Konzert in der Olympiahalle. Und von einer ganzen Armee begleitet: Zudem mit etlichen Gastmusikern und den famosen jungen Sängerinnen Nathalia Dorra und Ina Bredehorn verstärkten Panikorchester rund um Jugendfreund Steffi Stephan kam das "Paniktheater" mit zwei Dutzend Tänzerinnen und Darstellern und einer üppigen Kinderschar. Obendrein schaute zur Freude des Publikums auch noch Otto vorbei, um dem Freund zu huldigen und mit ihm "Auf dem Heimweg wird's hell" (statt "Highway To Hell") anzustimmen.

Tatsächlich machte der 73-jährige, zwar zerfurchte, aber drahtige Udo zweidreiviertel Stunden lang ohne Pause "sein Ding", wie es in einem Song so schön heißt. Alles zu beschreiben, was an Bildersturm auf der überdimensionalen Leinwand, an Konfettikanonen, Lightshow, Bühnenbildern, Kostümen und Choreografien in diese Monstershow gepackt wurde, würde diese Seite sprengen. Alles in allem 32 Stücke trug der Meister vor, quer durch die Dekaden seiner gut 800 Songs langen Karriere.

Da kann man den alten Nuschler zwar leicht mal nicht verstehen - zumal er sich aktuell "im Englischen Garten ein Bakterium eingefangen" hatte und schwer mit seiner Stimme kämpfte -, aber man kann ihn unmöglich missverstehen. Bei ihm gibt es kein Spiel mit den Bedeutungen, keine zweideutige Symbolik, Udo redet Klartext. Legt sich für "Fridays for Future" ins Zeug ("Greta sagt, wir brauchen Panik") und lässt seine Bühnen-Kinder kitschig, aber wirkungsvoll Menschenrechts-Artikel zitieren und "Wozu sind Kriege da" singen.

Das ist so grandios und gnadenlos oldschool, dass es schon wieder modern ist. Der Rezensent der Frankfurter Rundschau hat Udo deshalb als neuen SPD-Chef vorgeschlagen. Bundeskanzler wäre viel besser. Mit dem Kanzleramt im Hotel Atlantik, da würde es tatsächlich die von Lindenberg rappend beschworene "Bunte Republik Deutschland".