Kurzkritik Weltklasse

Das Meccore String Quartet glänzt im August-Everding-Saal

Von Harald Eggebrecht, Grünwald

- Das 2007 gegründete, vielfach preisgekrönte polnische Meccore String Quartet (Wojciech Koprowski, Jarosław Nadrzycki, Violinen; Michał Bryła, Viola; Karol Marianowski, Violoncello) hat bei seinem Auftritt im August-Everding-Saal Werke von Edvard Grieg, Dmitri Schostakowitsch und Peter Tschaikowsky mit solchem Feuer, solcher Bühnenpräsenz, einem wahrlich einzigartigen tänzerischen Impetus und untrüglichem Geschmack verwirklicht, wie es nur ein Ensemble absoluter Weltklasse kann.

Die vier jungen Männer entfalteten den Charme und die Lebendigkeit von Griegs 1. Quartett mit blitzender Wachsamkeit, nahezu orchestralem Glanz, einer rhythmisch elektrisierenden Elastizität und einem Sinn für Griegs lyrische Emphase, dass das Stück so frisch erklang wie am ersten Tag. Bei Schostakowitschs berühmtem 8. Quartett, das keine Satzpausen kennt und ganz im Zeichen der herben Viertonfolge D-Es-C-H steht, den Anfangsbuchstaben des Komponistennamen, wechselten die Geiger von Nadrzycki zu Koprowski. Sofort veränderte sich die "Persönlichkeit" der Formation und klang auch anders: ernster, düsterer insgesamt, sarkastischer im 2. Satz, schwermütig ohne romantischen Anflug im Finale. Auch hier fesselte der Zauber des Tänzerischen, wenn noch die schrägste Walzerandeutung ausgereizt wurde. Nie gerät etwas schwerfällig, immer haben diese hochkultivierten Musiker gleichsam Luft unter den Füßen.

Noch etwas zeichnet sie aus, die Konzentration auf die ununterbrochene Kontinuität des innermusikalischen Zusammenhangs. Dazu gehört auch die spannend zu beobachtende unbeirrbare Kommunikation innerhalb des Ensembles, die auch Tschaikowskys 1. Quartett zum Erlebnis aus kraftvoller tonlicher Biegsamkeit, risikofreudiger Virtuosität und jener Melodiewärme werden ließ, die fein zwischen Sentiment und Sentimentalität unterscheidet. Zurecht Ovationen und eine farbenreich schimmernde Zugabe von Karol Szymanowski.