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Kurzkritik:Von Liebe getragen

Zubin Mehta und das Israel Philharmonic Orchestra

"Nach langer Zeit wieder ein bisschen Oper für mich in München", sagt Zubin Mehta, bevor er zur Zugabe das Intermezzo aus der "Cavalleria rusticana" dirigiert. In den stehenden Ovationen nach dem mehr als zweieinhalbstündigen Abend spürt man die Liebe, die die Münchner dem einstigen Generalmusikdirektor ihrer Staatsoper entgegenbringen. Und Mehta kostet sie durchaus aus, wenn er als zweite Zugabe mit dem Israel Philharmonic Orchestra noch die Polka "Unter Donner und Blitz" von Johann Strauss folgen lässt. Schließlich befindet er sich auf Abschiedstournee mit dem wichtigsten israelischen Orchester, bei dem er tatsächlich seit 1969 zunächst als musikalischer Berater, dann als Musikdirektor tätig war, bevor er den Stab im kommenden Jahr an Lahav Shani übergeben wird.

Schmal geworden und auf einen Stock gestützt betritt der 83-Jährige die Philharmonie. Doch sobald er am Pult Platz genommen hat, ist die ganze Energie wieder da, legt er in der zweiten Hälfte die "Symphonie fantastique", das Hitparadenschlachtross von Hector Berlioz, mit opernhaft dramatischem Atem an. Künstlerisch interessanter darf man gleichwohl die erste Hälfte des Abends nennen, die Mehta und das Israel Philharmonic mit dem neoklassizistischen "Concertino für Streichorchester" des hierzulande unbekannten Ödön Pártos (1907-1977) eröffneten.

Danach kam Fazil Say für Beethovens Drittes Klavierkonzert hinzu, der, weil selbst auch Komponist, im ersten Satz mit einer eigenen, zauberhaft zarten Kadenz aufwarten konnte. Doch auch was von Beethoven stammt, lässt der Pianist hinreißend lebendig werden, plastisch in der Artikulation, variantenreich in Phrasierung und Farbgebung. Mehta folgt ihm dabei mit einer gelassenen Freudigkeit, die die Abgründe nicht leugnet, aber ihnen einen Platz in einer grundsätzlichen Lebenszugewandheit zuweist. Man hört darin viel von der Menschenfreundlichkeit, die diesem Dirigenten bis heute die Herzen öffnet.