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Kurzkritik:Von Licht erfüllt

Lindsey Stirling will ihr Publikum erleuchten

Gelb steht der Vollmond über dem Zenith am Firmament, ein sternenklarer Abend mit Selene als Komparsin, wie bestellt. Denn in der Halle steht Lindsey Stirling im Licht der Scheinwerfer und widmet ihre Show der Artemis, Göttin des Mondes, Waldes und der Jagd. Passend kostümiert wirbelt die kalifornische Geigerin über die Bühne, mal als lederne Waldläuferin mit Armbrustvioline, mal als silberne Patronus-Elfe mit Glitzerinstrument oder weiß gewandete Lindsey Poppins mit Schirmchenballett als choreographierter Umrahmung. Immer wieder wird auch ein Mondkäfig von der Decke gelassen, in dem sie sich über den Boden erheben kann, während ihre vier Tänzerinnen und zwei Musiker für den optischen und akustischen Entertainmentbombast auf Erden sorgen.

Die auf Überwältigung angelegte Konzertrhetorik mit reichlich Videoeinspielungen, Scheinwerferartistik und Sportballett kreist um das retardierende Zentrum in der Konzertmitte, als Stirling sich, diesmal schlicht gekleidet, an das Publikum wendet, vom Licht erzählt, das sie erfüllt, vom Kampf gegen die Dunkelheit und von der inneren Kraft, die jeden in der Halle durchströmt, um sich dann im Duo nur mit Gitarre Leonard Cohens "Hallelujah" zu widmen.

Der Missionsgedanke, den Menschen durch die Musik zur Erleuchtung zu führen, und sei es nur die kühle und fragile Erkenntnis der Artemis, blitzt immer wieder auf, in Video-Sequenzen, Ansagen oder auch den Bildern, die projiziert werden. Sie überdecken auch ein wenig, dass neben dem poppigen Pomp der Inszenierung Stirlings musikalisches Ausdrucksspektrum seine Grenzen hat. Sie bevorzugt einfache Akkordbrechungen, Arpeggierungen, auf den Harmonien basierende Skalenumspielungen. Dissonanzen sind tabu, rhythmische Variationen ebenso, Dynamik besteht vor allem in Lautstärke, nicht in Differenzierung. Feinheiten sind nicht Stirlings Ding, dafür Tempo, Bilder, Botschaften. Getrieben von Artemis auf der Jagd nach Bedeutung.