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Kurzkritik:Vollendete Balance

Rudolf Buchbinder und Gergievs Philharmoniker

Das produktive Arbeitsverhältnis mit Beethoven ist zur Lebensfreundschaft geworden. Rudolf Buchbinder, der fleißige Analytiker, hat in den letzten Jahren enorm an Ausdruckstiefe gewonnen. Man kann sich also darauf verlassen: Wenn er das dritte Klavierkonzert des Meisters spielt, tut er das brillant, dabei unprätentiös und mit sensibler Intelligenz.

Dem von den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev präsentierten Eröffnungsthema, scharf akzentuiert und von brodelnder Dramatik, stellt Buchbinder nichts Auftrumpfendes entgegen. Seine solistische Überlegenheit speist sich aus dem Erfahrungsschatz jahrzehntelanger Beethoven-Interpretation. Vielleicht wirkt Buchbinder auch deshalb als Verkörperung des Anti-Virtuosen: Wenn er durch den konfliktreichen Kopfsatz führt, hat das wenig mit solistischer Selbstdarstellung zu tun. Der Solist wird hier zum Erklärer, zum Deuter. Logik der Gestaltung ist hier Selbstverständlichkeit. Ohne große Geste spannt er den dramaturgischen Bogen, weist aber mit exquisitem Klang auf Details hin, so die über das ganze Werk verstreuten Tonrepetitionen. Hier funkeln sie. Mit diesem offenen, zart singenden Ton trifft Buchbinder ins Herz des Largo-Satzes. Eingebettet in den weichen Klanggrund der Philharmoniker vermittelt er die eigentümliche Atmosphäre dieses Satzes zwischen abgeklärter Heiterkeit und süßer Melancholie. Ohne diese Vornehmheit aufzugeben, zeigt Buchbinder im Rondo-Finale Ironie und grimmigen Witz, etwa in schrägen Synkopen und plötzlich donnerndem Bass. Darauf geht Gergiev gerne ein - Orchester und Solist feuern sich an bis zum glänzenden Schluss in C-Dur.

Beethoven plus Buchbinder ist eine sichere Sache. Das gilt auch für die Philharmoniker und Bruckner. Dessen Siebte spielen sie mit vollendeter Balance zwischen Statik und Dynamik, zwischen Detail und monumentaler Form. Und sie tun es so organisch, dass der Dirigent stellenweise die Hände sinken lassen kann. Man muss nur noch zuhören.