Kurzkritik:Viel Konfetti

"Take That" bleiben sich in der Olympiahalle auch als Trio treu

Von Astrid Benölken

Was gut ist, kommt wieder. Vieles andere leider auch, und so ganz weiß man dann doch nicht , in welche der beiden Kategorien die erneute Wiederbelebung von Take That gehört. Nach dem Ausstieg - und Wiedereinstieg und Ausstieg - von Robbie Williams und dem Ausscheiden von Jason Orange im vergangenen Jahr, der, seien wir ehrlich, zumindest akustisch nicht vermisst werden wird, ist die Band nun zum ersten Mal als Trio auf Tour.

Aus den kreischenden Teenie-Mädchen sind inzwischen kreischende Frauen geworden, aus dem Feuerzeug-Flammenmeer tanzende Smartphone-Bildschirme, aber die drei Pop-Idole wirken frisch wie eh und je, was vielleicht auch am Cheerleader-Effekt liegen mag. Die Bühnenroutine zumindest sitzt, jeder Schritt, jedes Kopfnicken ist durchgetaktet - allein Mark Owens Haar widersetzt sich der strikten Choreografie einer zweistündigen, bombastisch inszenierten Bühnenschau. Nebelmaschinen verwandeln den Boden in einen Watteteppich, Feuerwerfer spucken Flammen, und Konfettikanonen schießen aus allen Rohren. Dazu schwebt das Trio in bodenlangen weißen Kleidern engelsgleich dem Hallenhimmel entgegen, marschiert in bonbonbunten Anzügen im abgehackten Gleichschritt, taucht in eine fluoreszierende Unterwasserwelt ab und tanzt, tanzt, tanzt. Die drei sind sich auch für Glitzeranzüge (Jubel), Kniefall-Armeverschränken-Luftküsschen (Welcome back to the 90ies) und freie Oberkörper (Kreischen) nicht zu schade; was dabei Ernst, was Ironie ist, verschwimmt zu einem einzigen poppig bunten Brei.

Ach ja, gesungen wird auch noch, das Repertoire kennt man aus den vergangenen zwanzig Jahren Charts. Am Klang geändert hat sich trotz 40 Prozent weniger Take That auf der Bühne recht wenig, auch die Lieder des neu veröffentlichte Albums "III" sind geradeliniger Brit-Pop. Neu erfinden brauchen sich Take That für ihre treuen Fans eh nicht. Das versuchen sie auch gar nicht erst.

© SZ vom 07.10.2015
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