Kurzkritik Vertrauen bestätigt

Joseph Bastian leitet die BR-Symphoniker

Von Klaus Kalchschmid

Was für eine Chance, und wie unspektakulär, handwerklich blitzsauber und urmusikalisch hat sie Joseph Bastian genutzt. Man kennt den 34-Jährigen als (Bass-)Posaunisten zwischen Barock (mit "Les Cornets Noirs") und Musica Viva, sowie als Leiter des Abaco-Orchesters der LMU. Aber dies war sein erster Auftritt vor einem großen Orchester in München.

Heimspiel könnte man es nennen, weil Bastian - wie seine Schwester, der er am Ende seinen Blumenstrauß überreichte - bei den BR-Symphonikern spielt, die er nun erstmals in der Philharmonie dirigierte. Aber ein Wagnis war es doch, auf einmal so prominent im Rampenlicht zu stehen - und das mit wenig Vorbereitungszeit als Einspringer für Robin Ticciati. Zwei Drittel des Programms behielt Bastian bei, nur die A-Dur-Serenade von Johannes Brahms war neu. Ausgerechnet sie dirigierte er mit einer Zurückhaltung, als wollte er sich am Pult unsichtbar machen. Doch die fließende Natürlichkeit, mit der Bastian die Musik einfach geschehen ließ, war überzeugend, denn vielleicht ist es die größte Kunst eines Dirigenten, in seine Musiker - hier in recht kleiner Besetzung - ein solches Vertrauen zu setzen.

Bei der Orchesterfassung von Bergs "Sieben frühe Lieder" entlockte er seinen Musikern feinste kammermusikalische Schattierungen, ganz im Sinne Adornos, der 1968 schrieb: "Aus der Not des Klaviersatzes wird die Tugend eines gleichsam körperlosen Orchesters, nirgends gebauscht um die Musik." Leider wollte sich Sally Matthews da nicht so ganz einfügen und beharrte auf manieristischem Modellieren der Worte mit Verzicht auf große Bögen und spezifische klangliche Formung der Texte, die, obwohl durchweg von der Nacht handelnd, doch unterschiedliche Stimmungen ausdrücken.

Bei den "Enigma-Variationen" von Elgar konnte Bastian aus dem Vollen schöpfen und ließ die 14 Porträts von Gattin, Freunden, Kollegen und von sich selbst in schönsten Farben leuchten, aber stets mit Maß und Ziel.