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Kurzkritik:Verpuffter Zauber

Die US-Indierock-Band "The National" enttäuscht im Zenith

Anderthalb zähe Stunden waren bereits gespielt, als der Sänger Matt Berninger mit der schlichten Ansage "This is ... a song" jenes Lied ankündigte, dem die Fans seiner Band bereits entgegenfieberten wie sonst nur Sechsjährige der Bescherung. Dann erklangen auch schon diese erhabenen Klavier-Akkorde, mit denen Barack Obama 2008 sein Kampagnenvideo "Signs of Hope and Change" untermalen ließ, und ein spürbarer Ruck ging durch die Besuchermassen vor der Bühne. "We're half awake in a fake empire", sang man bald darauf, ohne dass Berninger jemanden dazu aufzufordern brauchte. Die Verbindung zwischen Band und Publikum, sie war endlich komplett hergestellt, der so oft zitierte Funke endlich übergesprungen. Und The National? Verabschiedeten sich in die Pause vor der Zugabe.

"Fake Empire" heißt denn auch der Song, der mit seiner alles überstrahlenden Schönheit einst mit dafür sorgte, dass die aus Ohio stammende Band heute in Mehrzweckhallen spielt, die eigentlich viel zu groß für den nuancierten melancholischen Zauber ihrer Musik sind. Denn anstatt nach ihrem grandiosen Durchbruchsalbum "Boxer" musikalisch zur Stadionband zu werden, fanden The National bei stetig steigender Beliebtheit zwischen edel ausgekleideten Arrangements und dezenter elektronischer Verfrickelung lieber zu einem superelaborierten Tüftlersound, den ein gemeiner Mensch mal als "Dad-Rock" klassifizierte. Wohltemperierter Rock für Väter also. Durchaus cool und mit viel Liebe zum Detail entworfen, aber eben gerade so exzessiv, dass man später noch die Kinder ins Bett bringen kann.

Schade nur, dass im akustisch verlässlich schauderhaften Zenith nahezu sämtliche dieser Details in einem zähen Klangbrei verschwinden. Schade auch, dass die Band sich samt zweier Sängerinnen allzu sehr auf die bestürzend faden Duette ihres neuen Albums "I Am Easy To Find" fokussiert und den Zugabenblock mit dem braven Folk von "Not In Kansas" und dem halbgaren Crosby, Stills, Nash And Young-Cover "Ohio" erst mal primär nach US-Bundesstaaten anordnet. Und fast schon etwas bitter schlussendlich, dass sie mit entfesselt dargebotenen Songs wie dem treibenden "The System Only Dreams In Total Darkness" oder dem heftig rausgeknüppelten "Mr. November" mitunter dann eben doch eindrucksvoll demonstriert, was für ein tolles Rock-Konzert eigentlich in ihr steckt.