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Kurzkritik:Verführerisch

Ein Hackbrett-Festival im Kleinen Konzertsaal am Gasteig

Selten war der Kleine Konzertsaal des Gasteig so ausverkauft wie jetzt für Edvard Griegs "Peer Gynt"-Musik, wohl einer der Höhepunkte des nach 2018 zum zweiten Mal veranstalteten Hackbrettfests. Anderthalb Tage wechselten sich Vorträge, Workshops und Konzerte ab, bei denen unter anderen Preisträger von Jugend musiziert und Studierende zu hören waren. Flankiert wurde das kleine, von Birgit Stolzenburg als Leiterin der Hackbrettklasse an der Musikhochschule initiierte Festival von Info-Ständen und einer Ausstellung mit Instrumenten und Noten, wo Hackbrett-Bauer und -Verkäufer Frage und Antwort standen.

Sieben Stücke aus den beiden je vierteiligen Suiten für Orchester, die Edvard Grieg selbst für Klavier zu zwei beziehungsweise vier Händen arrangierte, hatte das Hackbrett-Jugendorchester Bayern einstudiert und ließ die sattsam bekannte Musik zu Henrik Ibsens "Dramatischem Gedicht" in ganz neuem Licht erscheinen. Die 17 jungen Frauen und ein junger Mann, der das Solo zu Beginn von "Solveigs Lied" spielen durfte, wurden abwechselnd von Lisa Schöttl und Patrick Hollnberger dirigiert. Nach kurzem Schreckmoment beim ersten Stück, der berühmten "Morgenstimmung", erlebte man Griegs Musik manchmal, als würde sie zum ersten Mal und in ihrer Essenz erklingen.

Besonders schön und raffiniert tönte das immer dann, wenn die Kontraste von Norm-, Tenor- und Bass-Hackbrett genutzt oder kleineren Gruppen von Spielern das Tutti gegenüberstand, so bei den Orientalismen von "Anitras Tanz" oder "In der Halle des Bergkönigs". Dessen Steigerung in ein wild ausgelassenes Stampfen bedurfte keines Symphonieorchesters, sondern wurde selbst in dieser exquisiten Besetzung effektvoll ausgereizt. Auch die anderen Teile wie "Der Brautraub und Ingrids Klage", "Ases Tod" oder "Arabischer Tanz" bekamen einen feinen neuen Anstrich, der den volksmusikalischen Untergrund von Griegs "Peer Gynt"-Musik ebenso eigentümlich wie verführerisch an die Oberfläche holte.