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Kurzkritik:Tolle Katastrophe

Die Band "Herrenmagazin" in der Milla

Mit den Hamburgern und München ist es so eine Sache. Schon bei ihrem Gastspiel vor mehr als drei Jahren mussten Herrenmagazin mit technischen Verwicklungen zurechtkommen: Im 59:1 waren Gitarren verstimmt, Saiten gerissen, Pannen hatte es auch beim Mischen und Monitoring gegeben. "Genug Schwierigkeiten, um gnadenlos zu scheitern", schrieb der SZ-Kritiker damals. Derselbe Autor ist nun geneigt, seine Zeilen zu wiederholen, denn auch das Konzert in der Milla fing mit einer bühnentechnischen Katastrophe an. Dieses Mal machte Deniz Jaspersens Gitarrenverstärker schlapp, weshalb der ratlose Sänger gleich nach dem ersten Song aus dem Rampenlicht floh, infolgedessen die Band die Wartezeit mit München-Witzen überbrückte. "Ude, Ude, Pommesbude", solche Sachen. Man behalf sich schließlich mit einem Kofferverstärker, und wie schon 2011 schraubte sich der scheinbar vermasselte Auftritt noch zum euphorisch gefeierten und richtig guten, wenn auch improvisierten Rockkonzert hoch. Womöglich ist diese Lässigkeit Masche, vielleicht brauchen die Hamburger Widerstände wie diese für ihre steile Dramaturgie. Jaspersen, ein sympathischer Vollbartträger mit Brille, formulierte das so: "Ich weiß nicht, was mir mehr zu denken gibt: Die Tatsache, dass das Ding kaputt ist, oder dass es auch so geht."

Eines kann Herrenmagazin keiner nehmen, auch nicht der Technikteufel, nämlich die Lust an Poesie mit Schmackes. Das hebt die Indie-Band seit zehn Jahren aus dem Deutschrocksumpf heraus, das ist das Markenzeichen dieser Befindlichkeitsurgewalt: herrliche Sätze, hervorragend verrockt. "Ich dipp den Finger in den Himmel, ich habe Farben zugerührt, und sie tauchen meine Seele in einen Ton, der mir gehört." Oder in einem Song von der aktuellen Platte "Sippenhaft": "Doch bei einem halben Herzen kommt nie der ganze Mut zusammen, du kannst die Dinge nicht verwerfen, nur um sie irgendwo wieder aufzufangen." Wunderbar!

Einen Dämpfer gab es dennoch. Irgendwann pappte sich Jaspersen sein Plektron an die Stirn. Das sah nicht nur bescheuert aus, es hatte auch Symbolkraft. Ab und an verharren die Herrschaften zu arg in ihrer Verkopftheit, was sie auf der Bühne leider ein wenig bremst.