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Kurzkritik:Tiefenwirkung

Das Festspielkonzert der Kontrabassisten

Von Klaus Kalchschmid

Elf sind sie an der Zahl und wären damit eine Fußballmannschaft, vielleicht mit der einzigen Frau des Teams im Tor. Beim Festspielkonzert der Kontrabassisten im Cuvilliés-Theater sind freilich fast nie alle auf dem Podium. So wenn Giacomo Puccinis "Chrysanthemen"-Streichquartett dunkle Farben abgewonnen werden oder fünfstimmige Madrigale aus Cristóbal Morales' "Requiem" sonor und homogen singen dürfen. Ein Höhepunkt des umfangreichen Programms ist die Ouvertüre zu Rossinis "Guillaume Tell" für sechs Kontrabässe und Tuba! Die spielt Andreas Martin Hofmeir nicht nur virtuos, sondern führt auch pointenreich und launig durchs Programm, als wär's Faschingsdienstag. Das hat Kabarettqualität und erlaubt immer wieder ein schönes Umbau-Ballett, kommentiert mit: "Also wenn ich so ein sperriges Ding mit mir rumtragen müsst', ich tät keinen Weg zweimal gehen."

Nicht immer funktioniert die Kombination Tuba/Kontrabässe so fulminant wie bei Rossini. Jörg Dudas "Rumbrum" klingt dem Titel allzu ähnlich, während das folgende brasilianische Liebeslied für Tuba und acht Kontrabässe wieder schöne Mischungen und Kontraste offenbart. Auch Simón Garcías "A Night in Compostela" groovt wunderbar rhythmisch als Bass-Septett. Vieles klingt ein wenig seltsam und unfreiwillig komisch wie das achtstimmige "Traviata"-Vorspiel gleich zu Beginn, bei dem tiefe Bässe filigranes Geigengespinst erzeugen müssen; anderes hat eine herrliche Komik wie "A Night in the Movies", in der die Dusch-Mord-Szene aus Hitchcocks "Psycho" auf Westernmusik und Sounds à la Star Wars trifft, oder ein "Ungarischer Tanz" mit neun Kontrabässen.

Keine Stilrichtung bleibt außen vor, manchmal klingt es nach Schrammeln oder den Blue Notes des Jazz, und am Ende wird gar auf dem Holz des Corpus entfesselt geklopft. Die Zugabe entstammt der Filmmusik zu "Pulp Fiction" - wenn sich da der Klassikkritiker mal nicht verhört hat.

© SZ vom 17.07.2018
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