bedeckt München 17°
vgwortpixel

Kurzkritik:Testlauf geglückt

Die Münchner Philharmoniker mit Bruckners Achter

"Wenn, dann richtig" könnte man eines der Lebensprinzipien des Dirigierberserkers Valery Gergiev umschreiben. Also haben die Münchner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten bereits im vergangenen Jahr mit der Aufzeichnung sämtlicher Symphonien Anton Bruckners an dessen Wirkungsort Sankt Florian bei Linz begonnen. Damit will sich Gergiev wohl auch in die große Tradition des Orchesters bei diesem Komponisten einschreiben. In der vergangenen Woche ist man in drei Münchner Konzerten nach der neunten und zweiten Symphonie am vergangenen Freitag bei der achten, der längsten aller Brucknerschen Symphonien angekommen, die in der Philharmonie wie üblich in der zweiten Fassung aus dem Jahr 1890 zu hören war.

Ein gänzlich ungewohnter Neuansatz ist nicht zu vermelden, Gergiev bewegt sich zumal bei den Tempi im Rahmen der Tradition. Aber er hat die gewaltige Architektur im Griff, wie es ihm überhaupt eher um den Formzusammenhalt als um Mystifikationen geht. In den ersten beiden Sätzen wackelt noch manches leicht vor sich hin, besonders zwischen weit voneinander entfernt sitzenden Instrumenten. Im langsamen dritten Satz spätestens stellt sich ein nahtloser, großer Fluss ein, bei dem Gergiev den weiten Bogen sehr organisch entwickelt.

Wie gewohnt hat er den Orchesterapparat aus akustischen Gründen im hinteren Teil des Podiums halbrund gestaffelt, wobei der Klang trotz der riesenhaften Besetzung auf der Basis von zehn Kontrabässen auch im Fortissimo immer rund bleibt. Besonders im Piano verströmen sich die Streicher in sehnsuchtsvoller Zartheit, die großen Bläsergruppen klingen in sich ausgewogen, die Solisten nehmen sich den Raum für weitausgreifende, plastisch durchgeformte Linien.

Damit ist der Münchner Testlauf für die drei Symphonien abgeschlossen, die Gergiev und die Philharmoniker von diesem Montag an während des Internationalen Brucknerfests Linz aufzeichnen werden.

© SZ vom 24.09.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite