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Kurzkritik:Swing lasziv

Michael Bublé mit Orchester in der Olympiahalle

Wie könne Deutschland, das für Michael Bublé nach eigenem Bekunden in so vielen Dingen die Nummer 1 ist, ein so "shitty" Internet haben, fragte der kanadische Entertainer auf dem Abschlusskonzert seiner Deutschland-Tournee in der Olympiahalle. Der prompte Applaus bestätigte einen überfälligen Handlungsbedarf, woraufhin Bublé ein Benefizfestival zugunsten des Internetausbaus in Deutschland vorschlug. Immerhin genügten die technischen Voraussetzungen für ein Videotelefonat, als Bublé das Smartphone eines Zuschauers übernommen hatte, um dem verbundenen Gesprächspartner direkt in die Kamera zu singen. Denn, wo andere Künstler private Konzertmitschnitte gern unterbinden möchten, unterstützt der smarte Jazzer die digitale Momente-Sammlung seiner Zuschauer, die er liebevoll "meine Leute" nennt. Das Wort "Fan" meidet er, weil er nichts übrig habe für fanatische Menschen.

Tatsächlich reicht aber keine noch so große Momente-Sammlung aus, um zu dokumentieren, wie geradezu lasziv Bublé alte Swing-Klassiker in einen aufregenden James-Bond-Soundtrack zu verwandeln weiß. Geschüttelt, nicht gerührt, weil die größeren Moleküle, die Geschmacksträger nämlich, dann gemäß dem Paranusseffekt oben schwimmen. Unter dieser geschmacksintensiven Oberfläche wirken indes die kleineren Moleküle. In Bonds Martini also der Alkohol, in Bublés Musik ein mehr als 30-köpfiges Orchester samt Streichern und Bläsern.

Darunter Jumaane Smith, der seit 2005 Bublés Trompetensektion anführt. Mit dem Russ-Morgan-Klassiker "You're Nobody Till Somebody Loves You" überzeugte er in dieser Show auch als Sänger, derweil Bublé sich fingerschnippend im Chor einreihte. "Liebt ihn nicht zu sehr", wimmelte er später mit gespielter Eifersucht den nicht enden wollenden Beifall für Smiths Intermezzo ab. In Wirklichkeit durfte Bublé sich aber ob seines mitreißenden Reigens aus Evergreens der Liebe seiner Leute zurecht gewiss sein.