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Kurzkritik:Spaßtheater

Falckenberg-Studenten spielen Shakespeare

Von Petra Hallmayer

Im griechischen Lager wird zu Technorhythmen getanzt. Gegenüber winkt Helena Superstar (Stacyan Jackson, die auch Cressida spielt) im knallroten Ballkleid mit Glitzerpumps von einer Chaiselongue. Ein Erzähler (Tom Afman, auch Troilus) führt in Shakespeares Tragikomödie ein: "The cruelty of war will be your enjoyment tonight." Warum "Pony Camp: Troilus und Cressida", ein Projekt des 3. Jahrgangs Regie der Otto Falckenberg Schule, teilweise auf Englisch aufgeführt wird, erschließt sich allerdings nicht.

Der Trojanische Krieg ist im Einstein Kulturzentrum eine wilde Party, ein Catwalk für männliche Eitelkeiten. In Trainingsanzügen führen Agamemnon & Co. akrobatisch-erotische Discotanzeinlagen vor, recken zu "Follow the Leader" von den Soca Boys ihre Fäuste. Auf Videoleinwänden posen die Gockel wie Models für Parfümwerbung und wedeln mit Geldscheinen, derweil Helena auf der Theke lasziv die Hüften schwingt. Patroklus, der "Schandknabe" der Dumpfbacke Ajax und Achilles' Lover, schwuchtelt prächtig herum. Mit parodistisch theatralischen Gesten unterstreichen Troilus und Cressida ihre Liebeschwüre, ehe sie zum kreischend aufstampfenden kleinen Mädel mutiert und, ins feindliche Lager verschleppt, als dominante Verführerin auftrumpft.

Stephanie van Batum nutzt Shakespeares bissige Satire auf Heldenpathos und Ehre für burleske Szenen und Comedy-Gags. Lustvoll stellt sie Geschlechterklischees aus. Die Männer sind Lachnummern, die Frauen super sexy und selbstbewusst. Die jungen Akteure überzeugen allesamt mit ihrem energiegeladenen Spiel und dürfen ihre komischen Talente voll einsetzen. Van Batum beherrscht die Mittel des Spaßtheaters, beweist beeindruckende handwerkliche Fertigkeiten und hat ein gutes Gespür für visuelle Effekte. Am Ende lässt sie in ihrer Inszenierung doch noch die brutale Seite des Krieges und der Geschlechterverhältnisse aufscheinen. Da umfängt Achilles die Leiche seines Liebsten und wird Cressida - wobei sie rätselhafterweise "Amazing Grace" singt - von Griechen mit Ponyköpfen abgeführt. Tangieren kann einen das jedoch nicht mehr. Dafür hat die Regiestudentin etwas zu cool und fröhlich auf der Klaviatur der Genderthemen gespielt.

© SZ vom 28.01.2016
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