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Kurzkritik:Silberhochzeit

Erstes Jubiläumskonzert des Rodin-Quartetts

Der französische Komponist Claude Debussy hat in seiner Schaffenszeit ein einziges Streichquartett geschrieben. Es muss eine Herausforderung gewesen sein: auf der einen Seite die klaren Formvorgaben aus der Blütezeit der Gattung, der Wiener Klassik, auf der anderen die Emotionalität, das Brodeln und Lauern seines erzählerischen Impressionismus. Entstanden ist ein musikalischer Organismus. Die Musik breitet sich aus und zieht sich immer wieder zusammen - Höhepunkte der Angst, Empörung, Entzücken sind zu hören, alles, was tief in der Seele sitzt, gezähmt vom Rahmen der wohlerzogenen Kammermusik.

Das Rodin-Quartett widmet im Max-Joseph-Saal das erste Konzert seines Jubiläums-Zyklus' diesem Komponisten, der vor 100 Jahren starb. Zuvor jedoch Streichquartette von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart, beide in C-Dur. Die Stücke, raffiniert und elegant, erscheinen als Kontrast zum gefühlsgeleiteten Debussy. So richtig in Einklang kommen die vier Streicher aber erst bei Letzterem. Besonders beim dritten Satz, einem weichen Andantino, entwickeln sie einen überzeugenden Klang und vertrauen auf die innewohnende Zartheit des Stücks. Zuvor klingt an manchen Stellen die Oberstimme etwas zu dominant und übergeht dadurch die dunklen, subtileren Klänge der Kompositionen. Doch das geduldige Cello schafft es immer wieder, den Auftritt abzurunden.

Das Rodin-Quartett feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Die vier Musiker - Sonja Korkeala und Gerhard Urban (Geigen), Martin Wandel (Bratsche) und Clemens Weigel (Cello) - haben sich an der Münchner Musikhochschule zusammengetan und musizieren seither gemeinsam. Wenn man seit einem Viertel Jahrhundert im Halbkreis sitzt und einander Blicke für den richtigen Einsatz zuwirft, dann darf man das sehr wohl als Silberhochzeit feiern. Genau das tat das Quartett dann auch in der Zugabe: Mit andächtigen Hochzeitstönen aus dem Air von Bachs dritter Orchestersuite.