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Kurzkritik:Riffs wie Lava

Die US-Punkband "Flipper" in der Roten Sonne

Sie waren einfach "heavy". Heftiger als alles andere. Das hat der Musiker Henry Rollins über die US-Punk-Band Flipper gesagt, die vor 40 Jahren in San Francisco gegründet wurde. Und die heute als Vorreiter des Noise- und Grunge-Rocks und damit für Bands wie die Melvins oder Nirvana gilt. Was man aber noch ergänzen sollte: Flipper sind immer noch sehr "heavy". Ihre Riffs sind immer noch sehr fett und rollen gerade allabendlich wie dicke, zähe Lava durch Clubs in Europa. Am Donnerstag waren die Amerikaner auf ihrer 40-Jahre-Flipper-Tour in der vollen Roten Sonne in München zu Gast.

Begleitet wurden sie dabei von der Münchner Punkband Analstahl, zu der unter anderen der Lokalmatador Andreas Staebler alias G. Rag gehört. Auch Analstahl gibt es seit immerhin rund 25 Jahren. "Abfall", "Kaputt" oder "Dicke fette Spießer schwitzen an der Isar" heißen ihre ruppigen, schnoddrigen Songs, die den passenden Ton für das Konzert von Flipper setzen. Diese setzen danach mit langsamen, schleppenden Riffs ein und verraten mit dem Eröffnungsstück "The Light, the Sound, the Rhythm, the Noise" vom 84er-Album "Gone Fishin" schon mal, was einen rund 80 mitreißende Minuten lang erwartet.

Die prägende Figur ist klar David Yow, früher bei The Jesus Lizard, der seit 2015, seit dem Ausstieg von Bassist und Sänger Bruce Calderwood, bei Flipper singt. Der 59-Jährige grummelt, keift, schreit die teils ironischen, giftigen Texte von Songs wie "Ha Ha Ha" oder "Brainwash", zieht Grimassen, springt immer wieder ins Publikum, das ihn beim Stagediven auf Händen trägt. Ansonsten wird er von den teilweise wie in Endlosschleife grollenden Riffs und wuchtigen Beats getragen, welche die Gründungsmitglieder Ted Falconi und Steve DePace an Gitarre und Schlagzeug und Gast-Bassist Mike Watt (Minutemen, The Stooges) nach vorne schieben. Bis die Maschinerie nach der aufgekratzten "Sex Bomb" (nein, nicht die von Tom Jones) ohne Zugabe zum Stoppen kommt.