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Kurzkritik:Politische Party

Die britische Band "The Specials" in der ausverkauften Tonhalle

Niemals vergessen. Never Forget. Diese zwei Worte gibt der Sänger Terry Hall beim Konzert der britischen Ska-Legende The Specials in der Tonhalle vor der letzten Zugabe, dem Andy & Joey-Cover "You're Wondering Now", seinem Publikum mit. Dabei hält er ein Schild hoch, auf dem eine Figur ein Hakenkreuz in eine Tonne wirft. Okay, so kann man es auch machen. Und warum groß ausschweifen, wenn die politischen Botschaften schon in den Songs stecken. Und wenn hinter einem außerdem Schilder an der Wand lehnen, auf denen Dinge wie "Vote", "Think", "Resist" oder "Listen to Sly and the Family Stone" stehen.

Auch sonst sagt der 60-Jährige in den rund 90 Minuten außer "seid ihr okay?" nicht allzu viel, wirkt auch ein klein bisschen müde oder abgekämpft. Dabei gibt es doch 40 Jahre The Specials zu feiern und außerdem mit "Encore" ein wirklich starkes Comeback-Album. Dass es darauf unter anderem um Rassismus und Frauenfeindlichkeit geht, kann einen aber auch ein bisschen resignieren lassen, wenn man nach 40 Jahren immer noch dagegen ansingen muss. Auch den Brexit spricht der Gitarrist Lynval Golding an, meint, dass man versucht habe, ihn zu verhindern. Aber da hört vielleicht doch die Macht der Musik auf.

Die steht natürlich im Zentrum, mit neuen Liedern wie dem wunderbaren "The Lunatics" zur aktuellen Weltlage mit kubanisch anmutendem Pianomotiv. Oder dem feministisch-kämpferischen "10 Commandments", bei dem die junge Aktivistin Saffiyah Khan das Mikro übernimmt. Alte Hits gibt es reichlich, wie "A Message To You, Rudy", den alle mitsingen, oder den melancholischen Reggae "Ghost Town", den die acht Musiker als erste Zugabe spielen. Bei einem Potpourri aus "Nite Klub", "Do The Dog", "Concrete Jungle" und "Monkey Man" wird das Konzert zur ausgelassenen Party. Und gute Stimmung ist vielleicht ja immer noch das Beste, was gegen dunkle oder dumme Gedanken hilft.