bedeckt München 15°
vgwortpixel

Kurzkritik:Pointen und Pornoheftchen

Der deutsch-russische Comedian Nikita Miller in der Lach- und Schießgesellschaft

"Hey, München, was geht?" Wer so nassforsch die Bühne der Lach- und Schießgesellschaft entert, der ist "Auf dem Weg ein Mann zu werden". So heißt das Comdey-Programm von Nikita Miller, und dass es sein erstes abendfüllendes Solo ist, das erstaunt. Der Mann ist Jahrgang 1987 und bekennender Tupac-Fan - der muss so reden. Dass er damit auch das Publikum im "Laden" auf seiner Seite hat, erstaunt schon wieder, ebenso wie die Tatsache, dass Pornoheftchen und Geschichten von Wodka saufenden Russen hier erstaunlich gut ankommen. Aber der Reihe nach.

Nikita Miller stammt aus Termirtau, Kasachstan, landete mit den Eltern Anfang der Neunzigerjahre in einem 600-Seelen-Dorf im Schwabenland, hat Realschul-Abschluss, Fach-Abi nachgemacht, den Bachelor in Medieninformatik, studiert nun Philosophie und Rhetorik, malt Comics, bastelt Kurzgeschichten und hat vom Kampfsporttrainer bis zum Puff-Türsteher so ziemlich alle Jobs durch. Vor knapp vier Jahren war er mal bei einem Comedy-Abend, quatschte danach mit dem Moderator. Der lachte sich über die Geschichten seiner russischen Clique Viktor, Oleg und Vadim halb tot und schickte ihn auf die Bühne. Was soll man sagen: Unlängst gewann Miller den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg.

Er selbst sieht sich als "comedic Storyteller". Seine Themen: mitten aus dem Leben. Bis zur Pause kommt er mit einem einzigen aus: fünfte Klasse und die Entdeckung des Kosmos' Porno. Ein paar Gäste nutzen die Pause zur Flucht, verpassen so aber ein paar Merksätze aus Little Russia ("Mädchen sind was für Schwuchteln"), Papa Millers Holzhammer-Pädagogik ("Ich habe zwei Fäuste - alles, was du hast, ist nur ein Gesicht") und die eine oder andere Weisheit fürs Leben ("Es spielt keine Rolle, ob du heiratest oder nicht - du wirst beides bereuen"). Miller ist kein Pointenklopper, sondern ein langer, ruhiger Fluss, baut Szenarien auf, nutzt das Kopfkino der Zuhörer. Dieter Nuhr schwärmte: "eine völlig eigene Form von Alltagssatire". Da geht was, beim Herrn Miller.