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Kurzkritik:Perfektion mit Charme

Sheku und Isata Kanneh-Masons im Prinzregententheater

Es dauert nicht lange, bis die beiden Kanneh-Masons mit Ludwig van Beethovens Mozart-Variationen einsetzen. Und es dauert auch nicht lange, bis man begreift, dass die beiden Jungmusiker nicht nur mit ihrem Lächeln gewinnen. Sie haben etwas zu sagen. Und sagen es mit Leichtigkeit, Kreativität und Dringlichkeit. Beethovens Perspektive auf "Ein Mädchen oder Weibchen" führt auf charmante Weise in den Klangkosmos ein, den Sheku Kanneh-Mason, weltberühmt geworden als Solocellist bei der jüngsten Royal Wedding, mit seinem Instrument ausbreitet: agil-kämpferisch, dann, in den Minore-Miniaturen vor dem brillanten Finale, statisch, mit vibratolos schneidendem Ton. Seine eminente Nuancierungskunst, die Fähigkeit, Töne von allen Seiten zu beleuchten, macht Witold Lutosławskis "Grave" zur klingenden Spirale. Kanneh-Masons wandelbarer Ton schraubt sich deklamierend in die Höhe, nimmt von Moment zu Moment an Intensität zu.

Mit Samuel Barbers Cellosonate folgt der Spannungsabfall: ein Werk aus Studienzeiten und eine nicht immer glückliche Montage aus akademisch ambitioniertem Brahms-Stil und rhythmischen Extravaganzen. Isata Kanneh-Masons durchsichtiger Klavierbegleitung und dem immer engagierten Spiel ihres Bruders ist es zu verdanken, dass das Stück nicht in seiner Verbeugung vor dem 19. Jahrhundert erstarrt. Nach dem dunkel aufwallenden ersten Satz und dem kantablen zweiten wirkt der dritte überraschend ruppig - Sheku Kanneh-Mason experimentiert noch, testet die Grenzen seines Instruments aus.

Technisch sind ihm dabei keine Grenzen gesetzt. Doch wenn das dazu führt, dass Kratzen und Saitenschnalzen etwa im Scherzo der Rachmaninow-Sonate Tonhöhen überdecken, wirkt es allürenhaft. Zumal die Geschwister in den übrigen Sätzen begeistern mit ihrer Phrasierungsbegabung, Linien mit schier unerschöpflichem Atem zu singen, bewusst heiser und fahl oder rund und volltönend. Dazu heftet Sheku Kanneh-Mason als Klangsuchender die halb geschlossenen Augen an die Decke des Prinzregententheaters. Man sieht, was seine Suche fordert. Doch die Bravo-Rufe und den frenetischen Beifall nimmt er lächelnd entgegen.