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Kurzkritik:Pandas sezieren

Die Schweizerin Lisa Catena in der Lach- und Schießgesellschaft

"Sie werden sagen, das geht doch nicht", legte Lisa Catena dem Publikum in der Lach- und Schießgesellschaft immer wieder als Zwischenruf in den Mund, wenn sie einige der besonders absurden Turbulenzen oder hysterischen Exzesse des aktuellen politischen Geschehens sezierte. Um gleich darauf zu bekräftigen: "Doch, das geht!" Die Schweizer Kabarettistin hat auch den Grund dafür parat, einen Mechanismus, der ihrem aktuellen Programm den Titel gibt: den "Panda-Code". Ließen sich die Menschen doch, so führte sie aus, selbst entsprechend ihrer empathischen Wahrnehmung des Tierreichs einteilen: in Pandas und Laubfrösche. Den einen ließe man, obwohl sie nur faul und unnütz sind, wegen ihres guten Images alles durchgehen, die anderen würden, so sehr sie sich auch anstrengten, immer als "schleimige Amphibien" angesehen und behandelt.

Aus diesem schönen Bild ließe sich ein solides Comedy-Programm zusammenzimmern, speziell mit den Klischees über Deutsche und Schweizer, von der Langsamkeit bis zur Ausländerfeindlichkeit. Gags dieser Preisklasse lässt Catena auch nicht links liegen, doch geht sie etliche Schritte weiter. Etwa wenn sie sich wunderbar makaber mit dem "pragmatischen" Verhältnis der Schweizer zum Tod beschäftigt. Oder in ihre italienische Hälfte - ihr Vater stammt aus Kalabrien - und damit in die Panda-Rolle schlüpft: Gegen die Aufarbeitung der Verbrechen im Zweiten Weltkrieg durch die Deutschen stellt sie die nahezu vergessenen Verbrechen des italienischen Faschismus, hin zu den 12 000 gesuchten italienischen Kriegsverbrechern, von denen kein einziger je vor Gericht landete. Italien ist da eben ein Panda, Deutschland ein Laubfrosch.

Die gerade mit dem Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises dekorierte Lisa Catena, das wurde schnell klar, ist keine Comedienne. Die Frau mit der Punkmusikerinnen-Vergangenheit fühlt sich dem politischen Kabarett verbunden und zugehörig. Wegen der "großen deutschen Tradition dieses Fachs" tritt sie genauso oft in Deutschland wie in der Schweiz auf, wo sie längst ihr Auskommen hätte. Und so beendet sie ihren Auftritt mit einer ernsthaften Selbstreflektion, wobei sie die ewige Frage, was Satire darf, zu der viel wichtigeren weitertreibt, was Satire kann. Lustig ist das nicht mehr, weswegen man sagen könnte: So kann die doch nicht aufhören. Doch, die kann das.