Kurzkritik Nah am Zeitgeist

"Garbage" begeistern in der Muffathalle

Von Jürgen Moises

Ein gutes Vierteljahrhundert ist es her, dass Garbage mit ihrem Debüt quasi über Nacht in den britischen und US-Charts landeten und bald darauf auch in Deutschland ihren Siegeszug antraten. Und das, obwohl die Rockmusik nach dem Tod von Kurt Cobain ebenfalls als so gut wie tot galt. Passenderweise gehört Nirvana-Produzent und Schlagzeuger Butch Vig zu den Gründungsmitgliedern von Garbage. Die Gitarristen Duke Erikson und Steve Marker sind ebenfalls Produzenten, und zu dritt holten sie sich damals die schottische Sängerin Shirley Manson hinzu.

Dass das ein Glücksgriff war, das zeigen nicht nur die damaligen Erfolge, sondern auch der Auftritt von Garbage in der vollen Muffathalle auf der aktuellen Tour, die ihrem schon länger angekündigten, siebten Album vorausgeht. Als eine der charismatischsten Rocksängerinnen der Neunzigerjahre ist Manson auch heute noch der Mittelpunkt der Band. Sie hat noch immer eine beeindruckende Stimme. Und auch optisch sticht sie im schwarzen Kostüm und ihren bis auf einen roten Zopf rasierten Schädel aus der Band hervor, die live neben Erikson und Marker aus Eric Avery am Bass und Matt Walker am Schlagzeug besteht. Allein Butch Vig ist nicht mit dabei.

In knapp zwei Stunden spielen sie sich durch die Diskografie und begeistern ihre Fans mit alten Hits wie "I Think I'm Paranoid". Shirley Manson dreht unzählige Runden auf der Bühne, bis sie so ins Schwitzen gerät, dass sie mit dem Ausruf "Keine Panik!" ihren Schlüpfer auszieht. Ihre Kollegen sorgen für knorrige Bass- und Gitarrenriffs und sphärische Synthie-Akkorde, und gerade im Schnell-Durchlauf wird deutlich, dass das Erfolgsrezept von Garbage auch immer darin bestand, an jeweils aktuelle Stile wie Grunge, Industrial oder Techno anzudocken. Beim neusten Stück "No Horses", der Vorab-Single zum neuen Album, sind Garbage ebenfalls wieder dran am Zeitgeist. Denn als Intro zu dem dunklen Synthiepop-Song gibt es ein Zitat von Greta Thunberg.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels waren die falschen Namen des Bassisten und des Schlagzeugers zu lesen. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.