Süddeutsche Zeitung

Kurzkritik:Nachhaltig tanzen

Die Folktronica-Band "Milky Chance" im Zenith

Bei den bekannteren Songs wie "Cocoon" oder "Flash Junk Mind" leuchtet im Zenith nicht nur ein Mond im Bühnenbild. Auch etliche Smartphones werden in die Luft gehalten und filmen, was sich da auf der Bühne abspielt. Mal mit eingeschaltetem Blitz, mal ohne. Einige Zuschauer versuchen, sich das Mitwippen zu verkneifen für ansehnlichere Resultate. Und im besten Fall hält man sein Handy hochkant, damit das Video später ins Instagram-Format passt, wo vermutlich der Großteil dieser Videos landen wird. Das nennt sich heutzutage Reichweite. Und dieser ist sich Milky Chance bewusst.

Am Dienstagabend geht es um das neue Album vom ehemaligen Indie-Duo aus Kassel. Im Gegensatz zu den älteren Nummern wie "Stolen Dance" - dem Durchbruch aus den Jugendzimmern von Frontmann Clemens Rehbein und Philipp Dausch - widmet sich der jüngste Langspieler einem neuen Stil. Vor etwa sieben Jahren, kurz nach dem Abitur, feierten Milky Chance (damals noch zu zweit) unerwartete Erfolge, mit reduziertem, festivaltauglichem Indiefolk. Dieser hat sich mittlerweile gewandelt zu einem elektronischen Clubsound, der zwischen tanzbarer Euphorie und basslastiger Melancholie changiert.

Aber es geht beim Münchner Tour-Stopp nicht nur um die Musik, sondern auch um Nebenprodukte. Und dazu zählt der ökologische Fußabdruck. Dieser habe sich mit zunehmendem internationalen Erfolg massiv vergrößert, sagt Rehbein. Mittlerweile gibt das Quartett nicht nur in Europa ausverkaufte Konzerte, sondern auch in Amerika oder Südafrika, weshalb sich lange Flugreisen nicht vermeiden lassen. Also habe man eine Nachhaltigkeitsmanagerin eingestellt. Und auch beim Merchandising denke die Band um: Aus Restbeständen kann man sich ein Teil aussuchen und mit Siebdruck zu einem Fan-Shirt gestalten lassen. "Jetzt hör ich aber auf zu labern", sagt Rehbein. Dann knarzen die Gitarren wieder und die Sterne am Bühnenhimmel funkeln.

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Quelle:
SZ vom 13.02.2020
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