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Kurzkritik:Monteverdi staubtrocken

Christian Brembeck dirigiert die Marienvesper

Zwei Vertreter der historischen Aufführungspraxis, drei Meinungen. Ein Paradebeispiel für unterschiedlichste Umsetzungen in diesem Bereich ist Claudio Monteverdis Marienvesper, ein Schwellenwerk von der Renaissance zum Barock, in dessen Partitur weder die Größe der Vokalbesetzung noch der genaue Einsatz der Instrumente vorgegeben ist. Dirigenten wie René Jacobs und John Eliot Gardiner haben es in der barocken Vollfettversion auf Platte festgehalten, mit üppigem Wechsel zwischen Chor und Soli. Das Ensemble Parthenia Vocal & Baroque, das es nun in der Allerheiligenhofkirche präsentierte, steht deutlich am anderen Ende der Skala.

Sein Leiter Christian Brembeck hat den "Chor" schmalstmöglich mit einem Sänger pro Stimme besetzt, wobei die dann höchstens zehn Stimmen gemeinsam bemerkenswert intonationsrein klingen. Zumal sie instrumentale Unterstützung hier in der Regel nur von der Continuogruppe rund um den Organisten und Cembalisten Robert Schröter bekommen, weil Brembeck den Einsatz von Zinken, Posaunen und historischen Streichinstrumenten fast ganz auf das im Druck von 1610 Notierte, also Nötigste beschränkt. Auch stiltechnisch orientiert sich die Aufführung an renaissancehafter, auf alle üppigeren Verzierungen verzichtender Strenge, selbst in den eindeutig ariosen Passagen, in denen Monteverdi mit denselben Stilmitteln arbeitet wie in seinen Opern.

Denn Affekte scheut Brembeck wie der Teufel die Jungfrau Maria, ihrer Entfaltung stehen schon seine durchweg getragenen, in sich starren Tempi entgegen. Entsprechend singt zum Beispiel der an sich hervorragende, geschmeidige Tenor Markus Zeitler das "Nigra sum" als maximal keusche Kontemplation über die Gottesmutter, die an dieser Stelle häufiger heiße Liebesschwüre aus dem Geist des Barock zu hören bekommt. Das darf man sicher so machen. Aber es bleibt dann halt eine recht einförmige Veranstaltung für echte Knäckebrotpuristen.