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Kurzkritik:Mit Kunstwillen

Dushes "Lupus in Fabula" an der Arge-Kultur

Von Egbert Tholl, Salzburg

Henriette Dushes Stück "Lupus in Fabula" gewann 2013 den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts, wurde 2014 dort uraufgeführt (der Sieger ist dort immer die Eröffnungspremiere des Folgejahres) und hinterließ damals einen Eindruck, der sich nun sehr ähnlich in einer ganz anderen Inszenierung wiederholt. Damals inszenierte Alexander Nerlich, nun ist es Petra Schönwald, die an der Arge-Kultur in Salzburg mit einem inbrünstigen Vertrauen in ihre drei Darstellerinnen einen Text zum Leben erweckt, der bei aller Klugheit, bei aller Präzision der Beobachtung halt auch eines ist: ein artifizielles Konstrukt.

Drei Schwestern versammeln sich um ihren sterbenden Vater, die älteste, Elisabeth Nelhiebel, probt schon einmal die Grabrede, die mittlere, Sophie Hichert, will mit der Strahlkraft ihres Babys den Vater ins Leben zurückholen, die jüngste, Eva-Maria Weingärtler, sorgt sich um die nun bald ausbleibende Alimentation durch ihren Erzeuger. Alle drei tragen ein gesundes Nervpotenzial in sich, alle drei haben ihr Packerl mit sich und der Welt zu tragen, alle drei spielen erst nebeneinander her, um ihre Figuren zu etablieren, spielen dann immer mehr miteinander, denken sich Geschichten aus, Spiele, die Erinnerungen evozieren, die das Nichtverstehen, das Nichtbegreifenkönnen des Todes mildern sollen.

Da liegt viel Wahrheit drin, und zu diesem Zeitpunkt ist Dushes schreibseminargestützter Kunstwillen längst überwunden, die unsäglichen Löcher in ihren Sätzen, die einfach nur Löcher sind und kaum Ausdruck von Sprachlosigkeit, werden gefüllt mit der Kraft der Darstellerinnen. Und so wird aus einer Sprachkomposition Theater, abermals, gut.

© SZ vom 03.03.2017

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