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Kurzkritik:Luthers Laute

Franz Vitzthum und Julian Behr im Max-Joseph-Saal

Dass Martin Luther Laute spielte und komponierte, ist nur wenigen bekannt. Umso schöner, dass der Countertenor Franz Vitzthum und Julian Behr eine feine CD unter dem Titel "Luthers Laute" veröffentlicht haben und die Lieder nun im Max-Joseph-Saal der Residenz live zum Besten gaben. Doch während die CD mit Luthers "Frau Musica" beginnt ("Die beste Zeit im Jahr ist mein, da singen alle Vögelein") und mit seiner Vertonung des Glaubensbekenntnisses endet, war es nun genau umgekehrt. Denn "Das Patrem zu deutsch" stimmte Vitzthum von außerhalb des Raums a cappella an - mit dem schönen Effekt, als würde er es in einer imaginären, leicht halligen Kirche singen.

Gleich darauf ließ er Luthers "Ein neues Lied heben wir an" folgen, ein ebenso fein vertonter wie kraftvoll gedichteter Text, und später "Sie ist mir lieb, die werte Magd", in der die Hochachtung der Mutter Maria mit der Mutter Kirche in eins gesetzt wird. Neben Luthers eigenen Liedern versammelte das Programm unter anderem Stücke der von ihm geschätzten Komponisten Josquin de Prez, Hans Newsidler oder Arnolt Schlick, dessen "Maria zart" wunderbar verhangen endete. Vitzthum wies darauf hin, dass dieses Lied - ergreifend gesungen und mit Andacht rezipiert -, Sängern wie Hörern die Zeit im Fegefeuer um exakt 40 Tage verkürzt. Süffisant bemerkte Vitzthum auch, dass früher beim Friseur Lauten auslagen, um sich die Wartezeit zu versüßen, "sinnvoller in jedem Fall als Gala oder Bunte zu lesen."

Ob Hohelied der Liebe ("Nigra sum") oder das "Resurrexit Christus" aus dem Eisenacher Kantorenbuch: für Kontraste war bei dem Konzert gesorgt, so auch in der Kombination der Vertonung einzelner Texte durch Ludwig Senfl und den zeitgenössischen Komponisten Raltis Grigalis, den Vitzthum beauftragt mit einer Neufassung von "In pace in id ipsum" und Luthers Leitspruch "Non moriar, sed vivam..." beauftragt hatte. "Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden."