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Kurzkritik:Leichtes Fremdeln

Das neue Artemis-Quartett im Prinzregententheater

Nun ist der Wechsel ganz vollzogen, und im neuen Artemis-Quartett spielt kein Gründungsmitglied mehr. Auch Gregor Sigl wurde erst 2012 zweiter Geiger und übernahm 2015 nach dem Tod Friedemann Weigles die Bratsche. Der Münchner Abend vom Mai dieses Jahres mit der Stabübergabe und Friedrich Smetanas "Aus meinem Leben", bei der Suyoen Kim als neue Geigerin (neben Vineta Sareika) und die neue Cellistin Harriet Krijgh spielten, ist in bester Erinnerung. Doch nun scheint das Ensemble beim Konzert im Prinzregententheater zu Beginn etwas zu fremdeln. Nach Schuberts eröffnendem Quartettsatz ist das letzte, durchaus sperrige Bartók-Quartett zwar eine denkbar schwere Aufgabe, aber mehr Bezüge zwischen den einzelnen disparaten Abschnitten, mehr klangliche Verdichtung der einzelnen Ereignisse würde man sich schon wünschen.

Doch dann folgt nach der Pause das letzte Quartett Franz Schuberts in G-Dur. Es ist das Werk eines immer noch jungen Mannes von 29 Jahren und doch, zwei Jahre vor seinem Tod, ebenso lebenssüchtig wie lebensmüde: Eine knappe Stunde voller schönster Melodien, wunderbarster harmonischer Verbindungen und Bezügen, die immer wieder von grell dreinfahrenden Akzenten gestört und aufgebrochen werden. Und doch wird das Ganze im Innersten von etwas zusammengehalten, das sich kaum analysieren, aber in solch einer Aufführung hörend erleben lässt, nicht zuletzt wenn man mittig in der vierten Reihe sitzt.

Es ist das große Verdienst des neuen Artemis-Quartetts, nun mit Vineta Sareika als erster Geigerin, in jeder Phrase ganz bei sich und bei Franz Schubert zu sein. Das in der ersten Hälfte des Konzerts so schmerzlich vermisste Miteinander hört man nun nicht nur bei den ersten beiden Sätzen im komplex wechselnden Verhältnis von Begleit- und Hauptstimmen, sondern macht das flirrend atemlos Scherzo samt traumverloren singendem Trio zu einem Ereignis und das besessen dahinstürmende, immer wieder gestauchte Finale zum schwarzen Kehraus.