Kurzkritik Kampfansage

Jens Friebe stellt in der Kranhalle sein neues Album vor

Von DIRK WAGNER

"Fuck Penetration" steht auf dem Keyboard geschrieben, der Titel des neuen Albums, das Jens Friebe in der Kranhalle live präsentiert. Wobei jedem neuen Song ein älterer folgt, einschließlich dem Beat-Happening-Cover, mit dem Friebe in allen Konzerten an eine der großartigsten Bands überhaupt erinnert. Eine Band, die von vielen bereits vergessen, von den meisten allerdings gar nicht erst wahrgenommen wurde. Die neuen Songs erkenne man daran, dass sie englischsprachig seien, sagt Friebe und räumt gleich ein, dass das keineswegs für alle gelte.

Zum Beispiel nicht für "Herr der Ringe", ein Abrechnung mit Tolkiens Erzählung und ihrer Verfilmung. "Alles ist eigentlich so wie der Traum eines fiebernden Pfadfinderführers, gepaart mit einem Clip vom islamischen Staat", resümiert Jens Friebe, der hier vom Sänger zum Spoken-Word-Artisten mutiert. Der Bassist Andi Hudl wechselt derweil zum Schlagzeug, damit der eigentliche Schlagzeuger Chris Imler nun auch Pola Schultens Synthesizer bedienend sich auf seinen Gesang konzentrieren kann. Ähnlich einem Muezzin intoniert Imler die Worte "Herr der Ringe". Danach beweist Imler erneut, dass das Schlagzeug mehr als nur ein Rhythmusinstrument ist. Er entlockt ihm Klangfarben, mit denen er Friebes sprachgewaltige Songs spannend zu kolorieren weiß. Dass Friebe bisweilen in die englische Sprache ausweicht, lässt sich übrigens damit erklären, dass etwa der Wortwitz seiner großartigen Kampfansage an eine sexistische Gesellschaft nur in der englischen Sprache funktioniert: "Fuck Penetration".

Erläutert wird die Kampfansage vor dem Konzert in einem Vorwort der Kolumnistin, Autorin und Titanic-Redakteurin Paula Irmschler, die pointiert analysiert, warum Männer nicht mehr wissen, "wie Flirten geht, ob sie Frauen die Tür aufhalten dürfen und ob nächtliches Hinterherpfeifen oder lässiges Brüstegrapschen überhaupt noch ein Kompliment ist." Alleine ihr Vortrag hätte schon den Konzertbesuch gelohnt.