Kurzkritik Kalter Glanz

Das aufregende New Yorker Duo "Tempers" in der Roten Sonne

Von FLORIAN HOLLER

Erst um kurz nach neun streifen die beiden US-Amerikaner Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper ihre grauen Overalls über und betreten die Bühne in der Roten Sonne. Eine halbe Stunde vorher sah man Cooper noch, wie er sich rauchend vor dem Kellergewölbe auf dem Maximiliansplatz umsah: Vielleicht kommt ja noch jemand? Das Konzert des New Yorker Duos Tempers war enttäuschend schlecht besucht. Und das verwundert, haben die Musiker im vergangenen Jahr doch gemeinsam mit der gut vernetzten Münchnerin Katja Eichinger ihr Konzeptalbum "Junkspace" produziert, wo sie, mit Sprachfetzen von dem Architekten Rem Koolhaas unterlegt, den kalten Glanz moderner Shopping Malls heraufbeschworen.

An diese musikgewordene Architektur- und Kulturkritik erinnert auf der Bühne dann allerdings nur das Outfit der Band, das den Eindruck vermittelt, sie hätten das Berliner KaDeWe, in dem sie zur Neueröffnung spielten, auch noch eigenhändig umgebaut. Nur zwei Songs aus "Junkspace" gibt es zu hören, ansonsten werden vor allem die dunkleren Stücke aus dem Vorgängeralbum "Services" gespielt.

Geschadet hat das nicht. Während Gitarrist Cooper seelenruhig seine dröhnende Gitarre bearbeitet und zwischendurch mit seiner Bassstimme dreinrumort, schwebt Golestaneh mit ihrer Stimme irgendwo zwischen Bonnie Tyler und Kim Gordon auf einem halligen Teppich zwischen Dark Wave, Shoegaze und Synthie-Pop und besingt die schwarz funkelnde Kraft der Nacht. Eine Verneigung vor den Achtzigerjahren, die, kombiniert mit treibenden House-Rhythmen, wie The XX auf Speed wirkt. Und spätestens dann, wenn sich während der Zugabe Teile des Publikums euphorisch umschlungen dem drückenden Bass hingeben, wird klar: Dass das Konzert dieser großartigen Band nicht ausverkauft war, daran sind die Münchner selbst schuld.