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Kurzkritik Kabarett:Spitzfindig poetisch

Andreas Vitásek spielt Otto Grünmandl

Wer schon die Schluppen anhat, hat es nicht mehr weit bis zum Fußbad. Und von da ist es dann nur noch ein Katzensprung bis zu dem Begriff laukalt ("Der ist theoretisch möglich") und zur brutal stringenten Erklärung, warum das Schwarze Meer zum Nordatlantischen Bündnis gehört. So weit, so gaga. Wer sich so was ausdenkt? Andreas Vitásek jedenfalls nicht. Der bestreitet nach eigenen Angaben 99 Prozent seines neuen Programms mit geklauten, zum Teil mehr als 50 Jahre alten Texten. Warum? Weil er diese Texte und ihren Verfasser verehrt, seit er sie vor etwa 35 Jahren kennen und lieben gelernt hat. Und zwar so sehr, dass der Mann aus Wien-Favoriten in die Haut des Tirolers schlüpft - nicht nur das eine gewagte Versuchsanordnung.

Vitáseks Plan - eine Hommage an einen Meister des Absurden, den Kabarettisten, Volksschauspieler und Schriftsteller Otto Grünmandl - geht auf wunderbar poetische Weise auf. "Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers" ist sein 19. Solo-Programm. Der Versuchung, ein sicheres Ankommer-Best-of des Seit- und Querdenkers auf die Bühne zu wuppen, widersteht der Alleskönner (Schauspiel von Beckett über Orwell bis Nestroy, Regie bei Stücken von Strindberg, Tabori und Woody Allen, Kino und TV von "Tatort" über "Kommissar Rex" bis "Müllers Büro").

Zentral ist Grünmandls szenischer Monolog "Ich heiße nicht Oblomow", für den er 1978 den Deutschen Kleinkunstpreis bekam. Mit feinem Spiel legt Vitásek den so subtilen wie aberwitzigen und spitzfindigen Humor Grünmandls frei. Karl Valentin lässt grüßen. Dass sich der im Jahr 2000 verstorbene Grünmandl besonders gut mit Gerhard Polt verstanden hat, glaubt man sofort. Scheinbar wild und ziellos mäandernde Erkundungen banaler Phänomene wie Kreisverkehr oder die große Frage Nass- oder Trockenrasur münden plötzlich in den Sinn des Lebens. Darauf erstmal ein Fußbad.