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Kurzkritik:Hoch spannend

Philharmoniker spielen eine vervollständigte Mozart-Messe

Bei seinem Konzert mit den Münchner Philharmonikern im Gasteig zeigt Dirigent Andrew Manze beeindruckende Agilität. Sieht man ihm beim Dirigieren zu, wirkt Haydns Symphonie Nr. 104 in D-Dur deutlich beredter, als sie vom Orchester tatsächlich erklingt. Die Philharmoniker pflegen hier einen warmen, runden Klang. Sicherlich, der Kopfsatz kommt rasch in Fahrt, die Konturen aber bleiben nicht nur in der Adagio-Einleitung eher sanft. Auch das Andante und das Menuett wären prägnanter vorstellbar. Schön gelingt das melodisch hübsche Trio, bevor sich Manze mit seiner nachdrücklich vorgegebenen Präzision im Finale (Spiritoso) gut durchsetzt.

Hauptwerk des Abends ist jedoch Mozarts Große c-Moll-Messe KV 427. Dieses Riesenwerk, für das Mozart tief in den damals "alten Stil" von Bach und Händel eintauchte, blieb unvollendet. Die in diesem Konzert gespielte Vervollständigung hat 2013 der Musikforscher und Dirigent Benjamin-Gunnar Cohrs geschaffen: Unter Rückgriff auf authentisches Material aus der Kantate "Davide penitente" (die Mozart aus seinem c-Moll-Messfragment zusammensetzte), aus der "Maurerischen Trauermusik" und der c-Moll-Messe selbst hat Cohrs die fehlenden Teile ergänzt. Das gelingt mal sehr überzeugend (den Abschluss des Credos als Reprise seines Beginns zu konzipieren, wirkt formal schlüssig), mal stellt sich beim Hören Unsicherheit ein: Die "Trauermusik" will sich harmonisch und stilistisch nicht recht in die Messe einfinden; die Wiederkehr der musikalischen Initialzündung des Kyrie im Agnus Dei klingt etwas konstruiert. Dennoch sind diese Fassung und ihre Aufführung hoch spannend. Die Solisten (Jacquelyn Wagner, Julia Lezhneva, Julian Prégardien, Liang Li) wirken zwar nicht durchweg homogen zusammen, singen einzeln aber anmutig. Der Philharmonische Chor ist bei manchen leisen Themeneinsätzen etwas vorsichtig, insgesamt allerdings entwickelt er eine hervorragende Strahlkraft.