Kurzkritik Herausfordernd

"Fundamentalisten" im Schwere Reiter

Von Petra Hallmayer

Vorne auf der Bühne im Schwere Reiter glimmt ein Kohlefeuer. Hinten sitzen ein Mann (Albert Liebl) in einem dicken Kapuzenanzug und eine Frau (Anna-Lisa Ellend) als Übersetzerin in Kabinen. Via Kopfhörer, auf dem wir Deutsch, Isländisch oder reines Rauschen einstellen können, ertönt die Stimme des Mannes, der einen langen Monolog beginnt. "Fundamentalisten", der zweite Teil einer Trilogie der Gruppe Schauplatz International, hat mehr von einem Hörspiel als von einer Theaterinszenierung. Hart prononciert berichtet der Icherzähler von einer Expedition, zu der er, erschüttert von den Terroranschlägen in Europa, aufbrach, um sein Selbstverständnis als Künstler zu festigen.

Er begibt sich auf eine "Pilgerreise" zu "Orten der Wahrheit", folgt den Spuren von Filmemachern und Autoren, die er bewundert wie Werner Herzog und Karl Ove Knausgård, sucht Gegenden auf, die sein Sehnsuchtsbild einer ungezähmten Natur erfüllen. Er beschwört einen von der Aura des Heiligen umwobenen Kunstbegriff und die "Erhabenheit" der Berge. Aus Protest gegen deren Zerstörung erwägt er, sich selbst in die Luft zu sprengen, und bemerkt dabei, dass er sich in seinem radikalen Streben nach "Reinheit" und "Wahrheit" als Künstler derselben Begriffe bedient wie die Dschihadisten. In dem von einem Streicher-Trio und einer Sängerin musikalisch begleiteten Finale tritt der Mann mit einer Fackel aus der Kabine und legt sich auf einem Schneehaufen nieder.

Leicht zu konsumieren ist diese Performance nicht, die den Zuschauern einige Konzentration abverlangt. Es sind die Schnittstellen zwischen moderner Kunstreligion und Terrorismus, die das Verstörungspotenzial des assoziativ mäandernden Monologs ausmachen. Mit "Fundamentalisten" hat das schweizerisch-deutsche Kollektiv einen sperrigen Abend geschaffen, der sich nicht einfach abnicken lässt, zum Widerspruch reizt und zum Denken herausfordert.