Kurzkritik Harmonie

"Teenage Fanclub" mit stilprägenden Songs im Strom

Von Vivian Harris

Wie schafft man heutzutage noch den Durchbruch als Musiker? Der Spotify-Algorithmus spielt da mit Sicherheit eine wichtige Rolle, ein Playlist-tauglicher Hit muss her. Und auch Instagram ist kein unwichtiger Faktor. Teenage Fanclub haben auf der Plattform rund 14 000 Follower, posten dort auch regelmäßig Neues für die Fans. Bekannt geworden sind die Schotten aber nicht aufgrund ihres Verstehens der Sozialen Medien.

"Unser erstes Album ist jetzt fast 30 Jahre alt", erklärt Norman Blake am Samstagabend im Strom-Club, nachdem er sich höflich für die leichte Verspätung beim Publikum entschuldigt hat. Vor fast drei Dekaden, im Juni 1990, veröffentlichte die Band um Blake und die beiden anderen Gründungsmitglieder Raymond McGinley und Gerard Love die Platte "A Catholic Education", der Durchbruch gelang ein Jahr später: "Bandwagonesque" wurde zum Album des Jahres gekürt - noch vor Nirvanas "Nevermind". Mit Songs wie "About You" oder dem ruppigeren "The Concept" war die Band Teenage Fanclub Mitbegründer des Indiepop, der aus der schottischen "C86"-Szene hervorging.

Werke wie diese bringen die etwas ergrauten Schotten bei ihrer Tournee nun noch einmal auf die Bühne. Und auch ein neuer Song, "Everything Is Falling Apart", schafft es ins Set. Er ist das erste Stück ohne Gerard Love, der die Band kurz nach der Veröffentlichung einiger Neuauflagen im vergangenen Jahr verlassen hat. Seinen Platz hat der Keyboarder Euros Childs eingenommen. Gemeinsam mit ihm gibt es den gesanglichen Höhepunkt: Blake, McGinley und Childs scheinen sich beim charakteristischen dreistimmigen Gesang schon längst eingegroovt zu haben.

Auch sonst wirken Teenage Fanclub ausgeglichen. Bei einem Konzert wie diesem braucht es keine ausgefallenen Show-Einlagen. Es gibt die ein oder andere wortkarge Ansage, aber eigentlich geht es hier allein um die Musik, um Harmoniegesang und Instrumentalsoli. Playlist-tauglich hin oder her.