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Kurzkritik:Gutes Gefühl

Ami Warning mit neuer CD im Volkstheater

"Es fühlt sich einfach gut an", singt sie gleich als erste Zeile bei ihrem Auftritt im Volkstheater. Vom zugehörigen Song "Untertauchen" gelöst, hätte Ami, wie sich Wally Warnings Tochter Amira schlicht nennt, damit einiges meinen können: dass so viele Freunde bei diesem Release-Konzert ihrer neuen CD "Momentan" da waren; dass der Saal trotz Wiesn und Champions League gut gefüllt war; dass ihr - die sie ja tatsächlich erst 23 ist - eindeutig der nächste Karriereschritt gelungen ist; und natürlich, dass sie erstmals ein ganzes Programm auf Deutsch singt.

Es wird gerne unterschätzt, welchen Einfluss Sprache auf die Musik hat. Auf Amis Album aber kann man das deutlich hören: Ihre unverwechselbare "Haifischhaut-raue" (wie ein SZ-Kollege schrieb) Stimme klingt da plötzlich viel höher und heller; die Stücke bekommen alleine dadurch einen Dreh weg vom Blues, hin zu Pop à la Namika. Live allerdings pendelt sich das wieder ein, wird es wieder kehliger und widerborstiger. Was den Songs gut tut, verbergen sich doch selbst hinter vermeintlich heiteren Zeilen stets Zweifel und emotionale Anfechtungen. Schon beim erwähnten "Untertauchen", wo zwischen dem ganzen Wohlfühlen unvermittelt eine Trennung vorkommt.

Deswegen wurde der Abend nicht nur unterhaltsam, sondern auch berührend: weil Ami nicht nur eine grandiose Stimme, sondern auch etwas zu erzählen hat. Gedanken und Geschichten, die authentisch, ehrlich und persönlich wirken, ob es in "Karussell" verschlüsselt um die Zukunftsangst ihrer Generation oder in "Gegenwind" um ihr Musikerleben und die Reaktionen darauf geht. So abwechslungsreich wie die Themen ist auch die musikalische Verpackung. Hip-Hop- und Electro-Anteile, karibische Rhythmen und Klangfarben etwa von Melodica oder Saxofon durchziehen die erstklassigen Arrangements. Einzig etwas mehr Dynamik fehlt der Band noch. Jedenfalls hätte hinterher das Publikum durchaus singen dürfen: Es fühlt sich einfach gut an.