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Kurzkritik:Glückliches Ende

Die Münchner Philharmoniker unter Thomas Hengelbrock

In geschlossenen Formen zu denken, hat, musikalisch gesehen, auch sein Gutes. Wo Übergänge nicht vorbereitet werden, bleibt die Entwicklung spannend. Zu einer solchen Reise ins Unbekannte hat Thomas Hengelbrock die Münchner Philharmoniker eingeladen. Sie verläuft nicht immer glücklich. Das Programm aus Mozarts "Jupiter-Symphonie" und Mendelssohn Bartholdys "Lobgesang" spielt sich ab zwischen Empfindungen von "Hier möchte man verweilen" und "Hilfe, wo sind wir denn hier gelandet". Schöne Stellen gibt es zuhauf, aber der Eindruck bleibt zwiegespalten.

Schon die markanten Anfangs-Schleifer im Kopfsatz der "Jupiter" lassen zweifeln. So brüsk klingt es weniger nach olympischem Glanz als nach Kriegsgetümmel. Umso charakteristischer mischen sich dafür das verträumt ausgesungene Seitenthema und die Buffo-Episoden in den energischen Diskurs ein. Nur manchmal wirken die Punktierungen allzu zackig, die Akzente verkrampft. Da wäre mehr von der Gelassenheit nötig, die die Mittelsätze wie von sich aus zu Beispielen vollendeter Klangfarbenkultur werden lässt. Vielleicht liegt es gerade daran, die einzelnen Themenkomplexe so individuell zu gestalten, dass das Finale, Feier des Kontrapunkts, undurchsichtig wird. Viele der genialen Ineinanderspiegelungen, der Verweise der Stimmen aufeinander gehen da verloren.

Bei Mendelssohns zweiter Symphonie sieht es nicht anders aus. Allzu sehr um Schwung bemüht, streift die Interpretation bei flotten Tempi und markierten Rhythmen das Militärische, Paradehafte. Doch im besten Fall gelingen Hengelbrock brillante, festliche Klänge, so in der großen Schlusssteigerung des ersten Satzes. Dass der zweite Part der Symphoniekantate qualitativ herausragt, hat zu einem großen Teil der Philharmonische Chor unter Andreas Herrmann zu verantworten. Präzise, ausgewogen und dynamisch flexibel lassen die Sänger Jubelchöre strahlen. Bis zu "Die Nacht ist vergangen" aber wird noch in Bibelworten auf die einstige Dunkelheit verwiesen. Andrew Staples und Christina Landshamer tun das mit opernhaftem Ausdruck, während Ágnes Kóvacs' filigraner Sopran die finale Heiterkeit des Werks vorwegnimmt, die in der temperamentvoll ausgeführten Chorfuge ihren Höhepunkt findet und dem Stück bei allen interpretatorischen Fragwürdigkeiten ein glückliches Ende verleiht.