Kurzkritik Gelächter unter Tränen

"Geschwister" im Hofspielhaus

Von Sabine Leucht

Was Geschwister sich an den Kopf werfen, wie sie einander permanent auszustechen versuchen und doch ein Herz und eine Seele sind: Von all dem handelt Theo Fransz' Kinder- und Jugendstück "Schwestern". Doch etwas ist hier bedeutend anders. Zus ist es immer kalt. Und Mathilde hat sich vor ihr unter der Bettdecke versteckt.

Ganz langsam entblättert der holländische Autor den dramatischen Kern der Geschichte: Den Unfalltod der Jüngeren, für den sich Mathilde verantwortlich fühlt. Doch das Stück ist so gut ausbalanciert zwischen Ausgelassenheit und Trauer, so zart und schonungslos offen zugleich, dass trotz mancher Erwachsenenträne alle Zuschauer viel zu lachen haben. In der Berliner Uraufführung durch Fransz selbst war es im Juli 2014 im Marstall zu Gast, nun hat Stefanie von Poser es im Hofspielhaus inszeniert, das damit bereits die zweite Eigenproduktion seit seiner Eröffnung im Oktober zeigt.

Auf der kleinen Bühne in der Falkenturmstraße 8 können Cornelia Pollak und Nicola Trub nicht so große Sprünge machen wie das lustige Krawallduo aus der Hauptstadt, aber zum glaubwürdig kindlichen Schmollen, Toben und einander (wieder) Nah-Sein reicht es allemal. Das Bühnenbild (Peter Schultze) nimmt die beengten Verhältnisse auf, indem es hinter den mobilen Miniaturbetten der "Schwestern" das als Ausguck verkleidete Bild einer Trollfamilie platziert. Die Weite der Möglichkeiten der nordischen Mythologie, diese Mixtur aus grausamer Tücke und Zauber, prägt auch das Regiedebüt der Szene- und TV-Schauspielerin von Poser. Es feiert den magischen Umgang von Kindern mit dem Tod. Und die unzerstörbaren Bande zwischen Menschen.

Bis 17. Januar, verschiedene Wochenend-Termine, www.hofspielhaus.de