Kurzkritik Freude am Detail

"Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen

Von Klaus Kalchschmid, Bayreuth

Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung des "Parsifal" erzählt auch im dritten Jahr konkret von Christen inmitten islamischer Umgebung. Sie haben sich in einen von Soldaten bewachten verfallenen Tempel (Bühne: Gisbert Jäkel) zurückgezogen; am Ende fordern schutzsuchende Männer aus dem Volk an der Seite der Gralsritter den greisen Amfortas aggressiv auf, ein letztes Mal den Gral zu enthüllen. Mit Parsifals Rückkehr und dem zum Kreuz gefügten Speer lösen sich die Begrenzungen des Tempels auf und zum "höchsten Erglühen" des Grals beginnen magisch die Saal-Lampen des Festspielhauses immer heller zu leuchten. Da bekommt die Gattungsbezeichnung "Bühnenweihfestspiel" einen konkreten Sinn.

Nach dem szenisch so indifferenten "Lohengrin" tags zuvor ist man trotz mancher Überzeichnung und Entgleisung (Nackedeis unter Tropenregen zum Karfreitagsszauber) froh über eine detailfreudige Inszenierung, die etwa die rituellen Handlungen zwischen Kundry und Parsifal im dritten Aufzug mit Zärtlichkeit und Wärme auflädt, was Andreas Schager und Elena Pankratova nach den exzessiv sinnlich gesungenen Szenen im Zaubergarten - hier ein verführerischer Hamam mit Haremsdamen - ergreifend spielen.

Da spukt auch Amfortas, den Kundry hier einst verführte, leibhaftig herum: Thomas J. Mayer gestaltet ihn mit virilem Bariton großartig als Christus-Double, dem man das Blut für den Gralskelch, aus dem alle trinken, förmlich aus dem Leib schneidet. Als Klingsor weniger dämonisch, vielmehr mit schönem Bariton vital auftrumpfend ist Derek Welton. Günther Groissböck vermag seinen souveränen, mächtigen Bass für die langen Erzählungen facettenreich einzusetzen. Unter Semyon Bychkov klingt dank fließender Tempi und reich abgetönter Klangfarben schon das Vorspiel berückend. Nie lässt später die Spannung nach, selbst wenn Bychkov in der ersten Gralsszene und während der Karfreitagsszene raffiniert gedehnte Tempi wagt.